Ich lese seit einigen Tagen die diversen Rülpser in den Kommentarspalten der Alpha-Kevins und der Tschantalles, deren Abfolge etwa so ist: Brauch ma ned/san ja ned normal/wir lassn uns ned zu Toleranz zwingen/ solln sein, wies wolln, aber geheim/ Frühsexualisierung/ Genderwahn/ linksgrün/ veganer Wahn/ Autoverbot/ Deindustrialisierung/Zelensky/ Putin/FPÖÖÖÖÖÖÖÖÖ
Obwohl allein die Assoziationskette von „brauch ma ned“ bis zu „FPÖÖÖÖ“ untersuchungswürdig ist, gehts heut um was anderes:
Leute, ich verstehe, dass alles, was ihr nicht sofort versteht und einordnen könnt, euch Angst macht und zu einer Abwehrreaktion führt
(das kenn ich vom Karl, meinem sehr hübschen und etwas kognitiv eingeschränkten Kater. Der checkt Sachen auch ned)
Heute feiern Menschen, dass sie endlich so sein und so leben dürfen, wie sie wollen.
Auch du willst so leben, wie du willst. Niemand soll dir vorschreiben, was du anziehen, denken, oder sagen darfst, oder?
Willst du z.B. wegen deiner Kleidung, wegen der Freundinnen und Freunde, die du hast, ins Gefängnis gehen? Oder psychiatrisch behandelt werden?
Willst du dich immer verstecken müssen? Immer lügen müssen?
Heute feiern Menschen, dass sie lieben dürfen, wen sie wollen.
(Sie feiern auch ein historisches Ereignis, aber das langweilt dich, also lass ma das)
Schreibt dir jemand vor, wen du zu lieben hast? Oder zu heiraten?
Hoffentlich nicht, denn das ist gegen die Menschenrechte und gegen jedes Gesetz.
Das mit der Toleranz ist auch leicht zu erklären:
ICH mag z.B. keine Lederhosen, keine Dirndlkleider und keine Humpta Humpta Täterää Volksmusik. Ich mag auch keinen Rap und finde diese Nutten – und Zuhältermode mit der aufgspritzten Entenfresse und Goldketterl furchtbar.
DAHER trage ICH kein Dirndl, gehe auf keine Volksfeste und in Bierzelte. DAHER höre ICH keinen Rap, lasse mir die Lippen nicht aufspritzen und würde einem Mann kein Proloketterl schenken.
ABER: Bitte, Digga, geh du ruhig in der Krachledernen, im Dirndl, mit der Entenfresse und mit dem Proloschmuck zur John Otti Band und have fun. (Oder zu irgendeinem Didelly xy und stottere, äh, rappe)
Tu, was du willst, aber schade niemandem (und verstoß nicht gegen Gesetze)
Siehst du, und genau so machen das auch die anderen.
Heute zum Beispiel. Da feiern wir alle die Liebe und die Freiheit, so zu leben, wie wir wollen.
ICH feiere mit, weil es mir wichtig ist, Solidarität zu zeigen.
Viele schwule, lesbische, queere Kinder und Jugendliche hab ich unterrichtet, die von ihren eigenen Müttern und Vätern abgelehnt und von ihren Klassenkollegen gemobbt wurden (Wenn man aus einer „Arschloch-Kultur“ kommt, ist das besonders hart. Das sind Kulturen, wo man als „Mann“ das volle Arschloch sein muss, damit man männlich ist. Und als Frau sowas wie ein Haustier, aber halt eins, das putzen und kochen kann )
Mit genau diesen Kids freue ich mich heute, dass sie sich befreien konnten und jetzt so leben, wie sie es wollen.
Happy Pride!