Liebe Leser:innen, ich habe die Namen der Kids anonymisiert. Das Datum zeigt, wann ich den Eintrag verfasst habe. je weiter ihr nach unten scrollt, desto weiter nach hinten geht die Historie – es sind 2 Jahre enthalten, ganz am Ende befindet sich ein Abschlussbericht etc.
Dieser Projekttagebuch soll jungen Kolleg:innen helfen, bevor sie verzweifeln.
10.9.2022
Neues Schuljahr, erste Woche ist vorbei. Wir starten mit 23 Kids.
Die Zusammensetzung ist ganz anders als im Vorjahr – erstens wurden uns zu wenig Kids gemeldet für eine richtige Auswahl (aus welchen Gründen auch immer) zweitens bekamen wir Nachmeldungen – das bedeutet, dass auch Kids drin sitzen, die wir vorher nicht gesehen haben.
Die Zusammensetzung sieht momentan so aus: 6-7 brauchen Sprachunterricht (Ukrainerinnen, 1 Grieche, 2 Serbinnen), der Rest spricht recht schlecht. Wir konnten 6 auf „a.o“ setzen, so können wir zusätzliche WE beantragen und bekommen eventuell eine DAF/DAZ Lehrkraft. In der Zwischenzeit wird das Deutsch-Tandem die Gruppen getrennt unterrichten. Sobald wir die Master-Studis im Haus haben (ich warte auf Nachricht von der Uni. Prof), staffe ich Deutsch vorrangig. Hoffen, wir, dass das klappt.
Ein Jugendcoach hat uns einen leider völlig ungeeigneten Schüler nachgemeldet – ein Kind, das auf den ersten Blick schon ein Sonderschulkind ist. ( Desorientiert, grob- und feinmotorisch ganz daneben, kann z.B seine Namenskarte nicht falten. Kann kein Wort fehlerfrei abschreiben, kann den Stundenplan weder lesen noch interpretieren. Wirkt deutlich entwicklungsverzögert) Wir bemühen uns, einen gestützten Platz zu finden. Seine ehemalige Klassenvorständin (die ich angeschrieben hatte) berichtet, dass die Eltern das Corona-Schlupfloch benutzt hatten, um der Zuweisung in die Förderklasse zu umgehen, der Bub hat auch bereits Besuche bei der Psychologin, bei einem Therapeuten etc hinter sich. ich bekomme noch Nachricht von seiner ehem. Beratungslehrerin, wenn diese vom Supplieren an einer anderen Schule zurückkommt)
Es gibt aber durchaus Grund zur Freude: Die Klasse bekommt ein fettes Paket Nachschlagewerke geschenkt – Buchhandlung Seeseiten und dem lieben Johannes Kößler sei Dank. In den nächsten Tagen kommen auch 33 „Meyers Kinderbibliothek“ Bände – zum Deutsch lernen und zum Nachschlagen für alle, weil es an der Allgemeinbildung hapert.
Damit der Zugang ganz niederschwellig ist, haben wir eine Klassenbibliothek eingerichtet.
16.9.2022
Die K******-Situation hat sich geklärt. Die Beratungslehrerin hat sich gemeldet. Sie bestätigt die Aussagen der Klassenlehrerin. Die Befunde/Bescheide werden mir geschickt.
Eine Schülerin, D*** M******, wurde wieder abgemeldet – sie wird virtuell unterrichtet durch die ukrainische Schule laut Mutter.
Die Schulbuchsituation ist, gelinde gesagt, bedauerlich. Schon jetzt ist das Budget überschritten, denn offenbar wurden doch Bücher einfach vorbestellt, ohne auf unsere Bestellungen zu warten (Das ist noch ungeklärt, angeblich wurde ein Buch für PEK bestellt, Matthias unterrichtet aber das Fach gar nicht, hat auch nichts bestellt. )
Der DAF/DAZ Kollege hat gemeint, dass die bestellten Lehrwerke ja nun vielleicht doch nicht so passend seien, weil 6-7 Schüler:innen ja noch gar nicht Deutsch sprechen würden.
(Das sind so die Momente, wo ich mir denk, ich geh heim und die sollen sich ihren Dreck doch alleine machen. Wozu schreib ich Mails und sag das gefühlte 1000 Mal. ZUERST die Kids anschauen, DANN bestellen. Aber wie gesagt, ich weiß nicht, wie das zustande kam. Die Referentin dürfte tw einfach was bestellt haben, oder auch nicht. Es ist auch völlig egal, weil Tatsache ist: Damit die Kids die unterschiedlichen Bücher – je nach Niveau – doch haben können, muss ich rund 650 Euro von den Sponsor:innen lukrieren. Das wäre vermeidbar gewesen und müsste um weniger Kochgeldsponsoring bitten.)
Michelle Proyer (UNI Wien) hat 3-4 Studis vorangekündigt! Ich hoffe, wir kriegen 2, weil der Aufbaulehrgang mit den gehörlosen Kids ist sicher sehr spannend, da werden die sicher hin wollen für ihre Praxis.
3.10.2022
Resume der ersten Wochen: Obwohl wir erst seit drei Wochen unterrichten, ist die Stimmung wie kurz vor Weihnachten – die Nerven liegen blank. Dies hat keinen nachvollziehbaren Hintergrund.
Am pädagogischen Tag hatten wir eine Teambesprechung (außer S*** F***** wegen Krankenstand und M*** R***** wegen der SGA-Wahl, P*** T****** war in einer anderen Gruppe, aber der Tandem-Kollege war da).
Leider konnten wir bis auf ein paar Eckpunkte wenig diskutieren, vor allem aus Zeitmangel.
Ich habe den Eindruck, dass die Teammitglieder zum Teil die zur Verfügung gestellten Unterlagen (alles im Mitarbeiternotizbuch, in teams, nicht lesen, ebenso die Mails. Manche Kolleg:innen sagen dies auch ganz offen. „Du hast mir das geschrieben? Ach so, ja da schau ich NIE rein“)
Laut Auskunft der Kolleg:innen haben wir alle Schulbücher, die wir benötigen. Ob und welche Sachen falsch bestellt wurden, konnte ich nicht eruieren. Möchte ich auch nicht, denn ich weiß ja aus dem Vorjahr, dass die Kollegin mehr zahlt als beim Verlag und den Fachschulen den zugestandenen Betrag kürzt – da dies aber schriftlich bekanntgegeben wurde und die Direktion nicht handelt, ist es offenbar der Wille der Schule, den Jahrgängen mehr zu geben und der FSW etwas wegzunehmen. Rein rechtlich ist das sogar gedeckt. Es ist halt intellektuell unredlich.
Offensichtlich werden wir 2 Studis bekommen, so ein Mail von Michelle.
7.10.22
Die beiden wirklich problematischen Schüler:innen, K*** und V*****, haben eine Rauferei, in deren Zuge V**** K**** Jacke aus dem Fenster wirft. Angeblich mit der Powerbank von K***. V**** ist ein ukrainisches Mädchen, das angeblich (Befunde fehlen noch) Borderline diagnostiziert ist. Sie benimmt sich jedenfalls so. Arbeitet nicht mit, verweigert Aufträge, die ihr im Zuge des Fachpraktischen Unterrichts gegeben werden und reagiert (dies ganz typisch für die Borderline-Störung) auf Hilfsangebote paranoid.
Elterngespräche für beide sind für nächsten Dienstag angesetzt.
Die Mutter von V**** ist vorab über die Möglichkeit einer kostenlosen ukrainischen Psychotherapeutin informiert, inkl. deren Kontaktdaten.
Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo wir anfangs mit viel größeren disziplinären Schwierigkeiten zu kämpfen hatten (M, D, Al, Mo….siehe im Projekttagebuch von 2021 weiter unten) reagieren gleich einige Teamkolleg:innen extrem empfindlich auf einen Schüler – H*** . Ihn empfinden sie als „extrem den Unterricht störend“, „wenig motiviert“ und „verschlagen“. Weder Matthias noch ich haben den Eindruck, dass sein Verhalten auch nur annähernd an das unserer Burschen vom letzten Jahr heranreicht. Es ist mir derzeit noch nicht möglich, den Triggerpunkt zu identifizieren, da die Kolleg:innen, die sich bereits beschwert haben, völlig unterschiedlich in ihrem Unterrichtsstil und in ihrem Mindset sind und auf die viel ärgeren disziplinären Verfehlungen vom letzten Jahr viel gelassener reagiert haben. (Drei ganz neue sind auch dabei. Zwei haben sich beschwert, einer ist nichts aufgefallen)
Besonders ratlos macht mich die Tatsache, dass H***, im Gegensatz zu den genannten Burschen vom Vorjahr, die wesentlich besseren Umgangsformen hat und ausgesprochen höflich und eloquent ist. (Er spricht fast nur Englisch, lernt D seit 8 Monaten)
19.10.2022
Update zu den problematischen Kids:
V** geht mit L**** und einem Drittklässler in Erdberg spazieren (?), V**** steckt die Handys der beiden ein und geht nach Hause – Polizei, Taxifahrten, gegenseitige Beschuldigungen. V*** tickt so aus, dass die Mutter die Polizei ruft und die Rettung (Niemand weiß, warum), V**** wird is KH gebracht, ist aber wieder zu Hause. Die Mutter erscheint mir eher planlos zu sein. Der sehr ausführliche Befund liegt mittlerweile vor. In der Ukraine wurde vermutet, dass V**** eventuell bipolar sein könnte. Vieles spricht dafür. Einstweilen hat sie den Befund Borderline, ADHD, Körperschemastörung.
K*** Vater kommt zum Gespräch, das sehr produktiv verläuft. Er ist absolut einsichtig und unterstützt unseren Plan, K**** mit der Arbeitsassistenz zu vernetzen. K**** bleibt im Klassenverband, bis wir etwas Passendes für ihn gefunden haben. Laut Aussage des Vaters ist es „das erste Mal, dass mir Hilfe angeboten wird!“
16.11.2022
Update zu den Kindern:
V**** ist mittlerweile im Krisenzentrum Nußdorf (wurde der Mutter abgenommen, nachdem sie eine Woche stationär auf der Kinderpsychiatrie war) Wir haben Kontakt mit dem Krisenzentrum und der zuständigen Sozialarbeiterin.
Der Schulbesuch ist derzeit sehr fraglich…
K***** wurde der Arbeitsassistenz vorgestellt, wir warten, was die für ihn findet
S**** Mutter ist schwer krebskrank (Magenkrebs) , das neue Baby ist geboren und okay, die Situation aber völlig ungewiss. Wir haben Hilfe angeboten, sie ist noch nicht bereit, welche anzunehmen.
Mat*** und Ma*** nehmen die Schule wie ein Kino wahr – wenn der Film nicht gefällt, gehen wir heim. Elterngespräche bereits absolviert, die jeweiligen Eltern wirken hilflos.
H*** hat Beobachtungsstatus bis 12. Dezember. Sein Vater wirkt unbeteiligt und schweigt, die Mutter ist verzweifelt. H**** versucht alles, um wieder nach Griechenlang zurück zu kommen – er telefoniert täglich mit seinen Freunden…
Update zur Organisation:
Es gibt einen Deutschkurs – wer den macht und wo der genau läuft, wissen wir nicht. Durch einen Fehler in UNTIS sind für den Deutschkurs 132 Kinder angemeldet (jeweils die ganzen Klassen) was dazu führt, dass z,.B H*** am Gang spazieren geht, weil er „nicht hingehen muss“, wie er sagt. Da es keine Liste gibt, wer jetzt wirklich in den Deutschkurs geht, ist so ein Verschwinden natürlich leicht. Die Kollegin/der Kollege? vom D Kurs scheint auch noch nie in Untis gewesen zu sein, es ist niemand ausgetragen bzw hätte auffallen müssen, dass alle SuS drin sind….
Überdies war die Kanzlei nicht fähig, die a.o gemeldeten Kids in Sokrates rechtzeitig einzupflegen. Das geschah erst jetzt, nach meiner Meldung, dass dies nicht passiert ist.
Ich habe den Eindruck, dass einige Kolleg:innen nie in teams schauen und daher auch keine Infos zum Projekt haben bzw auch keine ans Team weitergeben.
Fix: Heute Online Besprechung nach der Konferenz.
23.11.22
Die Online Besprechung bestand aus drei, dann 4 Teilnehmer:innen. Die anderen wurden durch einen teams Fehler? nicht verständigt. Daher ergebnislos.
Der Fehler in UNTIS ist berichtigt – wir wissen jetzt endlich, wer im Deutschkurs sitzen soll und wer nicht, was die Kids aber nicht daran hindert, den Kurs nach der ersten Stunde zu schwänzen. Eine Kontrolle vor Ort ergibt: ja, es sitzen Kids da und die Kollegin, die den Kurs hält, sagt, dass „eh schon mehr da sind als früher“. Ah ja. So wird das sicher was werden, oder?
Update zu den Kids:
1. V*** wird abgemeldet in den nächsten Tagen. Ist und bleibt in Betreuung durch das Jugendamt und bleibt im Krisenzentrum. (Ist m.E ohnehin nicht schulfähig derzeit)
2. K**** hat den zweiten Termin bei der Arbeitasisstenz natürlich „vergessen“, daher bekommt er jetzt einen Fixtermin, zu dem wir ihn direkt von der Schule aus hinschicken. Die Assistenz holt ihn von der U Bahn Station ab.
3. H**** hat mit I*** eine Schlägerei in der Aula vor 100 Zeugen – H*** sagte „Ich ficke deine Mutter“ zu I***, der ihm eine auflegte und wegging – nachdem I*** „ich ficke deine Familie “ im Weggehen murmelte, zog H*** sich Jacke und Pullover aus und ging I*** an – da I*** sicher zwei Köpfe größer ist, kassierte er ordentlich. Die beiden mussten von mehreren Burschen getrennt werden.
H*** blieb auch nach Geprächen uneinsichtig, hatte überdies wieder zwei Klassenbucheintragungen und wurde per heute abgemeldet. (Adresse Männerberatung Therapie Gewalt etc wird der Schwester gesendet)
Dieses „ehrkulturelle Milieu“, aka „Oaschlochkultur“ ist so ein Irrsinn – ich versuche, einen Workshop aufzutreiben mit einem Trainer, von dem die Burschen etwas annehmen können (also selbst aus so einer Kultur) – bislang vergeblich. Die Männerberatung verlangt 450 Euro für einen 3 Std. Workshop!
Se*** hat sich Matthias geöffnet – die beiden konnten einen Termin in der Boje vereinbaren. Se*** hat seinen Vater mit 14 durch Suizid (Sprang vom 6. Stock) verloren und blieb unbetreut, hat Ängste und will seine Mutter nicht enttäuschen, indem er diese Angst zugibt.
Das Setting, in dem Matthias dieses Jahr arbeiten kann, kann man nicht oft genug lobend herausstellen – er ist total freigespielt in den 2 Stunden und ist für die Kids ein wertvoller Ansprechpartner, der sie weder beurteilt noch unterrichtet. ich hoffe inständig, dass diese Variante beibehalten werden kann im nächsten Jahr (weil M ja in zwei Stunden als Teampartner eingetragen ist, anders gehts stundenplantechnisch und werteinheitenmäßig ja nicht). Dadurch kann er seine professionelle und überaus wertvolle und fruchtbringende sozialarbeiterische Aufgabe erfüllen.
(Eigentlich braucht die ganze Schule einen Matthias, nein. Mehrere. ich bin davon überzeugt, dass in den anderen Klassen genug Kids sitzen, die auch eine Ansprechperson bräuchten!)
11.1.2023
Update zu den kids:
1. V*** ist abgemeldet, meldet sich gelegentlich bei mir – eher verstörend letztens, weil sie monierte, „dauernd Lehrer und Schüler der Schule zu sehen, die hinter ihrem Rücken über sie lachen und reden“. Ihre zuständige Sozialarbeiterin berichtet, dass sie in die USA zu ihrem Vater reisen werde.
2. K*** schafft die Termine bei der Arbeitsassistenz, wenn wir ihn daran erinnern und rechtzeitig wegschicken – bzw wenn er mit dem Vater gemeinsam dorthin fährt. Praktika beginnen Ende Jänner. Hoffen wir, dass sie etwas finden für ihn!
3. El*** erscheint allen eigenartig teilnahmslos – was immer wir auch tun, ihr Gesichtsausdruck ändert sich nicht. Sie scheint weder Freude noch Ungemach zu empfinden – dieser Sache ist nachzugehen, das liegt nicht nur an der mangelnden Sprachfähigkeit.
Immer wieder gibt es Beschwerden wegen K*** – die Kolleg:innen in Deutsch kommen besonders schlecht mit ihm zurecht. Dort scheint er – im Gegensatz zu anderen Fächern – gern zu provozieren, schimpft und pöbelt wohl auch. Das gewählte Mittel „Klassenbucheintrag und Beschwerde bei der KV“ bzw. der Wunsch, mit ihm zum Direktor zu gehen, ist aber kontraproduktiv (was soll ein Gespräch in der Direktion für ein kognitiv beeinträchtigtes Kind bringen?)- Kevin erkennt sofort, dass er in diesem Unterricht super deppert sein kann und dass ihm die Kolleg:innen nichts entgegensetzen. Damit verlieren sie Standing ihm gegenüber.
Mathias hat einen sehr guten Fragebogen entwickelt, der bei er Besprechung/Planung für die Kids helfen wird. Eine Selbsteinschätzung als Gesprächsvorlage für weiteres Vorgehen.
Heute eine Online-Klassenkonferenz. Dieses Jahr ist offenbar ein „Team“ im eigentlichen Sinn nicht zustande gekommen, es sind immer wieder dieselben Kolleg:innen, die zu keiner einzigen Besprechung kommen und/oder die ganz offen sagen, dass sie nie in Teams schauen. Das ist schon eine ziemliche Chuzpe, bleibt aber konsequenzenlos bis auf meine Empfehlung, sie nicht mehr im Projekt einzusetzen. Schaun wir mal, wer teilnimmt bzw wer Fragen/Beobachtungen in die Besprechungsnotizen schreibt. (und JA, ich habe das schriftlich erbeten.)
Mir wird hinterbracht (nicht ohne Freude, wie ich bemerke), dass ganz offen darüber geredet wird, dass Kinder der ok Klasse nicht mehr übernommen werden dürfen, „so etwas darf nicht mehr passieren“. Ich kann es natürlich nicht verifizieren, es entspricht aber durchaus dem Stil des Hauses.
25.1.2023
Update zu den Kids:
- L*** fällt zunehmend auf – sie fehlt häufig, hat kein Kochgewand, ist sozial, sagen wir mal, unverträglich. Schreiben und sms an die Mutter bleiben unbeantwortet. Wir überlegen, ob eine Jugendamtsmeldung mehr Sinn als Schaden verursacht.
- Ias** Ob***wurde 2015 im Schulverwaltungssystem auf a.o. gesetzt, weil sie ein paar Monate in der VS Lange Gasse beschult wurde. Sie reiste allerdings wieder heim und absolvierte die Unterstufe des Gym in Rumänien. Die Borniertheit bzw die Unfähigkeit der PTS bewirkte letztes Jahr, dass sie beurteilt wurde, weil ja ein a,o von 2015 – 2017 hinterlegt war (was natürlich ein Unsinn ist, sie war ja nur ein paar Monate beschult). Der PTS fiel auch nicht weiter auf, dass sie keine österreichischen Zeugnisse hat – sie wurde sofort im Halbjahr mit 5 beurteilt, im Jahr mit 4 und kam so zu uns. Nunmehr erfahre ich, dass das rechtlich nicht mehr zu reparieren ist, angeblich. Ist ja nur ein ausländisches Kind, also wurscht, oder?
- Ma** und Ma*** zeichnen sich durch Fehlzeiten und Schwänzen von Tests aus, sie verwirken gerade ihre Chance auf Anmeldung in der Fachschule bzw in einer anderen Schule. Beiden ist aber noch nicht klar, was das bedeutet.
- Die Erfassung der Wünsche und die Vorbereitung der weiteren Wege geht, dank Matthias, gut voran. Er hat ein Formular entworfen, kümmert sich um die Gespräche und treibt diese Sache voran!
- Wir bekommen aus den ersten Klassen zwei Kids dazu, die die 1. offenbar nicht schaffen.
Al** F****, der Bursch mit der PTBS vom letzten Jahr, wurde abgemeldet. Zu oft zu spät gekommen, heißt es. Ich versuche, der Sache nachzugehen bzw den Buben zu erreichen. Meine starke Vermutung ist: Mangelnder Wille der Lehrpersonen, sich mit einem Burschen, der schwere seelische Belastungen und eine Diagnose hat, auseinanderzusetzen. Also eh alles wie immer.
8.2.2023
Semesterzeugnis.
Wie letztes Jahr auch, sind die Semesterzeugnisse nicht wahnsinnig berauschend. Viele Fehlstunden (natürlich, die Kids haben noch immer z.T keine Arbeitshaltung) und einige 5er.
Es zeigt sich wieder, dass die Kids das verinnerlicht haben, was sie vorher, in der Mittelschule, vermittelt bekommen haben: Irgendeine Leistung zu irgendeinem Zeitpunkt reicht. Bei uns natürlich NICHT. M*** ist z.B empört, dass er, trotzdem er einen 4- auf einen Test hatte, mit nicht genügend beurteilt wird – er versteht nicht, dass wir kontinuierliche Leistung und Anwesenheit erwarten.
Interessant ist die Performance der SuS vom letzten Jahr. ich habe alle Zeugnisse angeschaut.
10 (von 11) sind noch in der Schule, davon haben 5 ein positives Semesterzeugnis.
In der Fachschule geht es vor allem den Mädchen gut, Gem****fehlt etwas zu viel und hat auch 5er, die Mädchen nur in D.
Z*** ist in der Höheren und ist positiv!
D*** und Me*** haben 4 5er, fehlen zu viel und kriegen sich augenscheinlich nicht ein. Mglw werden sie in die Fachschule gesetzt nach den Ferien.
Al*** wurde tatsächlich abgemeldet. In seinem Akt liegen seine Verspätungen, hauptsächlich von seinen „Spaziergängen“. Obwohl ich dem Kollegen, der sein KV ist, schriftlich und persönlich mitgeteilt habe, welche psychische Belastungen Ali hat, war es ihm ganz offenbar egal.
Auffallend ist, dass die Kolleg:innen gern spitz fragen, wie viele Kinder denn überhaupt noch da sind, so als wäre das eh ein Wunder…..und dass mir hinterbracht wird, dass es inoffiziell heißt, es dürfe keinesfalls mehr vorkommen, dass solche Kinder bei uns weitergehen….
22.2.2023
Wir haben die Klasse z.T ausgemalt und die sehr schönen Selbstportraits im Stile Basquiats aufgehängt – man sieht, wie sehr den Kids das taugt. Besonderen Dank an beide Kolleginnen von MBKA, Helene (die die Idee gehabt hat, die Farbe und alles besorgt hat etc) und Maria.
Ein Projekt zu haben, das komplett auf Kunst aufgehängt ist, wäre schön – der Effekt für die Kids wäre so deutlich. So wie Lohn und Leistung bei den Lehrlingen zusammenhängen muss, muss auch Bemühen und Erfolgserlebnis (= fertiges Produkt) bei den SuS zusammenhängen.
Ich bin immer noch von Wienwork, wo die Lehrlinge 200 Essen täglich rausbringen und a la carte kochen, begeistert. DAS wäre es.
Update zu den Kids:
- L*** ist wieder da, Mutter ist verzweifelt. L*** wird von einer Jugendcoach betreut, soll auf ein A-Fit Programm eingestellt werden. Sie braucht, neben den angeforderten 15 Stunden Therapie (gesund aus der Krise) sicher Nachreifezeit und engmaschige Betreuung. Sie ist ohnehin bereits vom Jugendamt betreut, wir haben am 3.2. eine Gefährdungsmeldung gemacht, die das Sekretariat am 14.2. abgeschickt hat. ich habe mit Claudia die Meldung persönlich verfasst, IM Sekretariat, AM PC der Kanzleileiterin. Weil diese das so wollte das ginge schneller…..Manchmal bin ich ob dieser völligen Unfähigkeit immer noch fassungslos. Zum Glück wars nur eine Meldung wegen zu vieler Fehlstunden und nicht etwa wegen Gewalt oder Missbrauch….
- M*** Mutter war ebenfalls zum Gespräch da. M*** ist nicht wirklich einsichtig, Schaun wir mal, ob er die Kurve noch kriegt….ohne Leistung wirds halt nirgends was werden (dem würde ein Setting wie oben erwähnt unglaublich helfen. Beim Ausmalen hat er bewusst tachiniert – was den anderen sehr wohl aufgefallen ist..)
- Mat*** und An*** Erziehungsberechtigte kommen diesen Donnerstag zu einem Gespräch.
- Von den zwei Kids, die wir aus der Fachschule bekommen haben, ist nur mehr eins da, der andere hat eine Lehrstelle.
Abd*** ist ein Beispiel für das völlige Versagen des Systems. Er war in der 1 FSA und „kam dort nicht mit“. Der Direktor versetzte ihn daher (!!) zu uns.
Gleich zu Anfang beschwerten sich zwei Kolleginnen – er stelle sich nicht vor, falle auf etc.
Ich holte mir seinen Schülerbogen.
Abd** war bis zur 7. Schulstufe in allen Gegenständen nach dem Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule beschult. Alle Zeugniskopien sind (richtig) gelb markiert.
Sein Zeugnis der 8. Schulstufe ist ein Regelzeugnis. Obwohl ein Post It mit der Handschrift des Direktors direkt auf der Anmeldung klebt mit „I-Kind?“, wird Abd*** in die Fachschule aufgenommen – und nicht einmal in die Integration, sondern in die A Klasse.
Offenbar schaut NIEMAND diesen Schülerbogen jemals an – nicht beim Start, nicht beim ersten Anlassfall, nicht beim Wechsel. (Ein ungeheurer Prozessfehler UND eine Nachlässigkeit)
Als ich Abd*** kennen lerne (am Donnerstag nach den Ferien) steht mir ein Bub gegenüber, der auf alles reagiert, was ich sage, vor Freude strahlt, wenn man ihn anspricht und bereitwillig und höflich alle Fragen beantwortet.
Am nächsten Tag, als er wieder durch sein freundliches Wesen auffällt, muss ich ihn einfach fragen: „Abd***, du bist so ein herziges Knopfi, warum hast denn so Schwierigkeiten mit anderen Professoren“. Er strahlt mich an und sagt: „Sie sind sooo freundlich!“ Dann beeilt er sich zu sagen, dass Claudia auch so freundlich sei.
Rätsel gelöst: Er ist eins der typischen Sonderschulkinder, die genau so sozialisiert werden: Auf Ansprache reagieren sie, ansonsten sind sie ruhig.
Abgesehen davon, dass die Kolleg:innen in der Fachschule offenbar ein Semester lang nicht bemerken, was mit dem Buben los ist, wird er auch noch zum Deutschkurs eingeteilt. Ein Sonderschulkind. Zum Deutschkurs. Weil er ja nur ein bissl mehr lernen muss, oder?
Ich glaub, dass ist das erste Mal, dass ich denke, dass es wurscht ist, wenn wir Quereinsteiger:innen beschäftigen werden – Die könnten es auch nicht mehr verkacken.
27.3.23
Da ich nächstes Jahr 15 Stunden mit Schwererziehbaren im SPZ14 arbeiten werde (die Arbeitswege sind kürzer, das sind 3 Vormittage bis max 13.00 Uhr, keine Leerzeiten UND die Möglichkeit, noch einmal ein neues Projekt, diesmal mit SES Kindern, aufzusetzen. Ich werde es besonders genießen, dass es dort um die einzelnen SuS geht), habe ich angeregt, dass jemand doch die Projektleitung übernehmen möchte – wegen der Einschulung etc.
Stand per heute: Direktor ist aus irgendeinem Grund sauer auf St*** und gibt ihm die PL nicht. Kl** will sie, oder doch nicht, weil er stand by wegen seines Sohnes sein muss. Es findet sich also derzeit niemand – der Chef hat die Idee, dass das Ministerium mich bezahlt und ich das extern mache. Ich glaube niemals, dass das durchgeht. Der Direktor will mich „wegen meines Netzwerkes“ halten. Ich schlage vor, die Kolleg:innen könnten vielleicht selbst ihren Arsch hochkriegen? Ist alles eine Frage der Haltung. Arbeits- und Wert-. und wird daher nicht geschehen.
Zusätzlich hat der Chef Mic** vergrämt – dieser hat eine Kur verschreiben bekommen und die Einladung zum Antritt vorgelegt. Daraufhin hat der Chef ihm die Kroatienreise als Begleitperson gestrichen (wahrscheinlich, weil Auslandsaufenthalte mit Jugendlichen so viel Unterhaltungs- und Erholungswert haben). Außerdem ist er überzeugt, dass Mic*** ihm das früher hätte sagen müssen, dass er eine Kur bekommt.
Fazit: Mic*** steht nicht mehr zur Verfügung nächstes Jahr in der ok!Klasse.
Den Auswahltag am 14.6 organisiere also wieder – ich und U**.
Alice in Wonderland is ein Dreck dagegen.
Update zu den Kids:
- Mat*** ist abgemeldet. mehrere Mädchen hatten sich beschwert. Er war völlig uneinsichtig, seit Semester habe er „ohnehin niemanden mehr gemobbt“. Da er eine Blanko- Abmeldung hatte, ging das sehr schnell.
Die Mädchen wurden einzeln befragt, alle sagen übereinstimmend, dass er die, die er hübsch fand, immer wieder gestreichelt, am Popo angegriffen und sie verbal belästigt hat. Die, die ihm nicht gefallen haben, beschimpfte er immer wieder als „fettes Schwein“, verspottete sie, streichelte ihnen aber trotzdem über den Rücken (immer im Kochunterricht)
Auch Seb*** wurde immer wieder Opfer – ihm warf er wegen seiner langen Haare vor, sicher schwul zu sein – außerdem arm, wegen seiner Kleidung.
Ein Mädchen sagt auf die Frage, wie es ihr jetzt in der Schule ginge: „Ich kann wieder atmen“
Matthias fragt mich berechtigterweise, ob wir das zu lange übersehen haben. Ich muss zustimmen.
Leider sind die Mädchen immer noch so sozialisiert, dass sie ihre Beschwerden mit „ich wollte ja eigentlich nix sagen“ oder mit „Mir macht das ja nix, aber…“ einleiten. Doch, es macht was. Nein, auch 1x ist nicht okay.
- An*** wird nach dem Gespräch mit der Mutter (Fehlstunden, Nicht-Teilnahme am Unterricht, Deutschunterricht, keine Hausaufgaben etc. überraschend abgemeldet – sie hat eine Lehrstelle bei einem Tierarzt.
- K*** ist erfolgreich bei AFIT angemeldet, seine Arbeitserprobungen verliefen gut. Wir hoffen, dass er dort auch wirklich hingeht!
1.6.23
Administratives Update: Da ich mit Schuljahresende ausscheide, muss jemand die Projektleitung übernehmen. Koll. P***, der dies theoretisch könnte, wird vom Direktor abgelehnt (ich vermute wegen der sehr berechtigten Zurücklegung des Qualitätsmanagements, einer typischen Sache: Ziele setzen aber Mittel verweigern) Koll. G**** hat ebenfalls einen Konflikt mit dem Direktor, der ihm übelnimmt, dass er eine Kur verschrieben bekommen hat.
Der Direktor möchte, dass ich von extern das Projekt weiterhin leite, weil er, wie er sagt, „mein Netzwerk braucht“. Ich bin der Ansicht, dass er jemanden braucht, der Dinge IM Haus organisiert, das geht von außen nicht. Zum Thema „Netzwerk“ ist jeder Kommentar müßig. Es ist bezeichnend und empörend, dass die Schule weiterhin nichts unternehmen will, sondern sich auf private Initiativen verlassen möchte. Ist ja auch fraglos einfacher.
Durch einen für das Projekt glücklichen Zufall wird U**** als neue PL eingesetzt – vom Direktor, offenbar als Strafmaßnahme wegen der Einsprüche bei der Matura.
Update Schülerinnen:
Wir sind im Endspurt.
10 SuS sind für die Fachschule angemeldet.
Kids mit psychischen Problemen:
El***, bei der sich herausgestellt hat, dass sie früher dauernd geplaudert habe und „dann ist sie verstummt“ – hat bereits einen Termin bei Hemayat gehabt – ihre Schwester, 9, hat laut Erzählungen des Vaters extreme Schwierigkeiten, sich von der Mutter zu lösen, daher könne diese nicht arbeiten. Beide Mädchen waren bis letztes Jahr bei den Großeltern in Bosnien.
Da El*** für uns nicht das erste „verstummte“ Kind ist, hat Matthias einen Termin bei Hemayat (statt Boje, wegen Sprache) organisiert.
Seb***, der immer weniger fähig wird, sein Zimmer zu verlassen bzw unter dauernden Magenschmerzen/Bauchschmerzen leidet, ist ebenfalls in Therapie (wo er es nicht immer hinschafft) Eine Überstellung in eine AFIT Maßnahme mit psychologischer Betreuung ist angedacht.
L*** hat mehrere Einladungen zu Lehrlingscastings – geht aber offensichtlich nicht hin. Wir sind in dauerndem Kontakt mit Mutter und Jugendamt.
Kids mit anderen Hemmnissen:
Abd*** – wartet auf die Rot-Weiß-Rot Karte, sein Zwillingsbruder hat sie bereits, das AMS ist unfähig. Nach Erhalt soll er sofort in einer AFIT Maßnahme schnuppern.
M*** hat eine Blanko-Abmeldung, sehr hohe Fehstunden und uneinsichtig, was seine mangelnde Leistung betrifft. Die Mutter hatte in in der FSW angemeldet, das Sekretariat hat diese Anmeldung entgegengenommen, obwohl er weder von der 7. noch von der 8. ein positives Zeugnis hat. Auch im Semesterzeugnis ist er teils nicht beurteilt. Seiner Mutter ist dies offenbar gar nicht bewusst. Wir regen an, dass er in den Ferien mal arbeiten soll….Jugendcoach sucht passende Maßnahme.
Vi*** – kommt kaum, Stiefvater wird vorgeladen und hört dies zum ersten Mal. Ebenso zum ersten Mal hört er, dass Viktoria wieder nach Bratislava ziehen will, um dort eine Schule zu besuchen.
2021 19.6.21 Dieses Projekttagebuch erfüllt folgende Aufgaben:
- Es ist ein Logbuch des Projekts
- Es listet „findings“ und „fixes“ auf, die im Laufe des Projekts erhoben und gelöst werden –
- Und es enthält „lessons learned“
Die Auftragsklärung
Am 18.5.21 fand die erste Teams-Konferenz zum Projekt statt. Dr Heller von der BD hatte Jugendcoaches eingeladen und eine Ansprechpartnerin vom Sozialministerium. Im Gegensatz zu früheren Informationen nahm niemand vom AMS teil – obwohl dieses als Auftraggeberin genannt worden war.
Im Laufe der Konferenz stellte sich heraus, dass die Zielgruppe nicht genau definiert war seitens der BD, die Jugendcoaches hatten wohl andere Vorstellungen, sie versuchten umgehend auch Plätze für Kinder mit SPF zu erhalten, die Dame vom Sozialministerium äußerte sich nicht. Wir konnten die wesentlichen Eckpunkte 1. Wir suchen aus, niemand wird zugewiesen und 2. Ein:e Schüler:in muss fähig sein, entweder eine Lehre in einem der beiden Lehrberufe zu absolvieren oder sich für die Fachschule zu qualifizieren fixieren. 3. Die Jugendcoaches sollen 40 Jugendliche auf die Anmeldeliste geben, die die schriftlich formulierten und verschickten Kriterien erfüllen. Vor allem die Hygienebestimmungen und die Vorschriften des Kostens haben wir explizit formuliert, da wir aus Erfahrung wissen, dass dies für SuS immer wieder ein Verzichtsgrund für den Schulbesuch darstellt.
Die Frage, warum die HLW10, die ein ähnliches Projekt letztes Jahr durchgeführt hatte, diesmal nicht mehr dabei sei, beantwortete Dr. Heller damit, dass die HLW10 keinen Platz hätte. Auf Nachfragen erzählte sie jedoch, dass die HLW 10 sich Schüler:innen zuweisen habe lassen, die sie auf mehrere Klassen verteilt hätten. Eine Struktur und/oder einen Plan, wie diese SuS zu unterrichten seien, hat es wohl nicht gegeben. Wir nehmen an, dass der Versuch deshalb gescheitert ist und dass dies der Grund für das Aussteigen der HLW 10 ist. Dr. Heller erwähnte, dass man z.B erst nach einiger Zeit dahinter gekommen sei, dass ein paar der Jugendlichen obdachlos waren. Offenbar war man von der Mehrfachproblematik etwas überfordert.
Wir können aber den Prozess der Anmeldung klären und die Zielgruppe – so glaube ich zumindest.
Findings:
Eine der Jugendcoaches meldet sich als Koordinatorin der Anmeldungen – und meldet nach einiger Zeit auf Nachfrage, dass „es wohl keinen großen Andrang geben werde, man werde kaum 20 Plätze füllen können“
Fix:
Ich befrage mein Netzwerk in Wien und erhalte sehr schnell die Auskunft, dass das Projekt bei einigen Jugendcoaches unbekannt ist. Es wurde also offenbar nicht/zu spät/unklar kaskadiert. Eine Nachfrage bei der Koordinatorin bringt die Versicherung, dass es natürlich kommuniziert worden ist – tatsächlich bekomme ich in den nächsten Tagen einige Anrufe von Jugendcoaches, die ergänzende Fragen zum Projekt haben. Leider auch solche, die klar zeigen, dass die Zielgruppe bzw. unsere Kriterien nicht bekannt sind. Ebenso bekomme ich dringende Bitten von Kolleg:innen anderer Schulen, doch bitte einzelne SuS auf die Liste zu nehmen, die Jugendcoaches würden nichts von der Sache wissen.
18.6.21 – 39 SuS auf der Liste
Lessons learned:
- Mehr Vorlaufzeit für ein Auswahlverfahren einplanen.
- Kick-off Meetings mit den externen Partner:innen ansetzen/ sich in den Kaskadierungsprozess hineinreklamieren. Die Vorauswahl nicht den Jugendcoaches alleine überlassen
- Feedbackschleifen einbauen. Es darf nicht von einem zufällig gut funktionierenden Netzwerk abhängen, dass Fehler rasch erkannt werden
Der Projektplan
Da die Schule keine professionellen Tools zur Verfügung hat, habe ich mit „Planner“ Aufgabenpakete erstellt und diese im Rahmen eines „teams“ verteilt.
Die Funktionalität ist überraschend gut, „Planner“ arbeitet mit Outlook zusammen und ist perfekt in „teams“ integriert.
Findings:
Eine wesentliche Funktionalität fehlt jedoch – man kann keine Abhängigkeiten der Arbeitspakete voneinander eingeben oder darstellen, ebenso fehlt eine Ressourcenplanung. Da es sich aber um ein Mini-Projekt handelt, war es trotzdem leicht zu monitoren.
Ebenso fehlt eine Druckmöglichkeit, dies führt zu mangelnder Übersicht, wenn es zu viele Arbeitspakete gibt.
Fix:
Der Projektplan ist für alle im Steuerteam sichtbar – ein Mehraugenprinzip ersetzt die mangelnde Funktionalität.
26.6.21 Nachlese zum Infotag vom 21.6.
Der Auswahltag
31 Kids kommen von den 40, 2 hatten sich krank gemeldet. Der Stationenbetrieb (4 Gruppen a 5 SuS) funktioniert ausgezeichnet – wir erhalten ein klares Bild und Feedback von jeweils 6-8 Lehrpersonen zum einzelnen Kind. Ebenso haben die Kids einen umfassenden Eindruck von den Anforderungen und den Möglichkeiten der Schule:
Es gibt folgende Stationen:
1. Küchenstation: Hier wird ein Fruchtcocktail gemixt, dekoriert und getrunken, exotische Früchte erraten und gekostet, gemessen, Rezept gelesen und es gibt einen Staffellauf mit Tabletts (Serviergriffe)
2. Turmbau outdoor – Gruppendynamische Übung mit Schachteln, die bis zum ersten Stock reichen…..
3. Kreativstation – auf ein A3 Bild der Schule wird collagiert, ein Selfie geklebt, es wird beschriftet, gestaltet ..
4. Einzelinterviews
Die Auswahl wird am selben Tag getroffen – wobei die Küchencrew den Lead hat mit 3 zu vergebenden Punkten, aus dem Einzelinterview kommen maximal 2 Punkte und die Gruppen- bzw Kreativstation liefern Eindrücke zum Sozialverhalten.
Findings:
Das Auswahlverfahren ist so erfolgreich und zeigt so ein klares Bild, dass wir überlegen, auch für die Fachschule generell diese Art des Auswahlverfahrens einzuführen, um die hohen Dropoutquoten zu senken.
So haben wir zum Beispiel SuS aufgenommen, die wir nur durch das übliche Gespräch niemals aufgenommen hätten und umgekehrt ebenso.
Dazu gehört z.B.
A., der nicht nur das 4. Deutsch-Lernjahr hat, sondern erst das 4. Jahr Schule überhaupt. (Syrischer Kurde) und
S., ein nervöser Punker, der einen super Eindruck in der Küche hinterlässt und ein sehr gutes Zeugnis aus einem Hotelpraktikum mit hat. Seine Mutter weigert sich, zur Unterschrift zu kommen – ihr Sohn solle zu Hause unterrichtet werden, sie brauche Pflege. Wir bleiben dran.
4 Kids sind so fantastisch an diesem Tag, dass wir sie sofort in die 3jährige anmelden können.
Die Sonderschulkollegin fragt daraufhin die Küchenkollegin, „ob sie sich wirklich diese Kinder antun wolle.“ Der Hintergrund scheint zu sein, dass SuS der Einjährigen offenbar versprochen wird, sie dann, ungeachtet ihrer Leistungen und Fertigkeiten, in die 3jährige weiter gehen zu lassen. Hier gibt es keinen Auswahltag, sondern es herrscht die Auffassung, dass „nette“ und „brave“ Kinder genommen werden sollen.
13.9. Die erste Woche
Von den 20 aufgenommenen SuS kommen 16 am ersten Schultag. 2 haben eine Lehrstelle gefunden über den Sommer, 2 sind in Quarantäne, eine davon ist heute erschienen.
Der Bursch, den wir so gern genommen hätten und dessen Mutter sich geweigert hatte, die Dokumente zu bringen, ist nicht gekommen. Leider sind unsere Möglichkeiten ausgeschöpft, denn sein ehemaliger Jugendcoach, Ingo Hirsch, hatte ihm eine Gefährdungsmeldung ans Jugendamt vorgeschlagen, diese lehnte der Bursch jedoch ab. Hoffen wir, dass die automatische Meldung (Ausbildungspflicht bis 18 und die Streichung der Familienbeihilfe Wirkung zeigt). Kann natürlich sein, dass die Mutter in zum häuslichen Unterricht abgemeldet hat, dann passiert jetzt leider gar nichts.
Die hektischen ersten Tage (administrativ und technisch) fordern uns alle. Ohne straffe Planung geht da gar nichts.
So ist es natürlich zu einigen Pannen gekommen:
Eine Schülerin wurde nicht verständigt vom Sekretariat (der SCHülerbogen zeigt deutlich: Sie war da, wollte in die Einjährige, ein Kollege, der mit unserem Projekt überhaupt nichts zu tun hat, schrieb 1 EFS auf den Bogen – ich vermerkte im Februar!!!, dass das Mädchen sich an ihren Jugendcoach wenden solle, um zugebucht werden zu könne bzw. schlug ich eine überbetriebliche Lehre als Köchin vor. Wegen der zahlreichen Prozessfehler in der Kanzlei wurde das Mädchen nicht verständigt. (Sitzt jetzt doch bei uns)
Eine weitere Schülerin reklamierte sich durch diverse Erzählungen (Mobbing, Krankenhausaufenthalt, Androhung von Vergewaltigung…) in die Klasse, der neue Kollege sagte dies irrtümlich zu, im Glauben, dies sei von den Lehrkräften gekommen. Fazit: Auch sie sitzt jetzt in unserer Klasse, hat bereits ein Mädchen rassistisch beschimpft und hat von mir eine Verwarnung erhalten.
Die allermeisten Projektmitglieder sind mit viel Freude und Elan dabei – lediglich ein Kollege erschien nicht zum verpflichtenden SCHILF, ich bin gespannt, ob er zum ebenfalls verpflichtenden Workshop am Pädagogischen Tag erscheint oder nicht. Bis dahin hat er „the benefit of doubt“.
In den administrativen Abläufen funktionieren zwei Dinge nicht. Beide Male liegt es an den handelnden Personen.
1. Die Jugendcoachin, die sich bereit erklärt hatte, alle anderen JC jeweils zu verständigen (ein Mailverteiler ist nicht möglich, da unsere IT schulfremde Adressen nicht zulässt, laut Kustodin ist das Absicht und wird nicht geändert) tut dies entweder langsam, unvollständig oder gar nicht.
2. Die Kustodin für die Schulbücher hat trotz schriftlicher Verständigung im Juli einfach „die üblichen“ Schulbücher bestellt und wollte diese auch einer jungen Kollegin aufdrängen, trotz meiner klaren Aussage, dass wir erst nach Sprach- und Wissensstanderhebung die passenden Bücher bestellen würden.
Findings:
Durch den überraschenden Wegfall des Kollegen Walter (er wurde Direktor in der Seegasse, ein Job, für den er sich vor 1,5 Jahren beworben hatte) wurde Matthias KV. Er ist aber selbst neu an der Schule und die hohe Schlagzahl ebenso wenig gewöhnt wie die Kids – er muss selbst erst alle Abläufe lernen und erkennen – mir geht das alles zu langsam, das ist allerdings definitiv mein Problem und nicht das der anderen.
Sinnvoll wäre es (und zwar für alle Beteiligten, nicht nur für meine Nerven), wenn die Prozesse in der Kanzlei endlich gerade gezogen würden. Hier entsteht jedes Jahr ein Wahnsinnschaos, das völlig unnotwendig ist. Dies betrifft nicht nur die Anmeldungen, sondern auch z.B die Abmeldungen vom Religionsunterricht. Wieder, ebenso wie letztes Jahr, ist der Prozess „EDUCARD“ ungeregelt und zu spät. Wieder brauchen die Kids die Schulbestätigungen für die Wiener Linien, weil die Kanzlei es nicht fertigbekommt, die Bilder und die Bestellung der EDUCARD rechtzeitig zu machen.
Ah ja. Die einzige Person, die den neuen Kolleg:innen die Schlüssel aushändigt – ist 3 Wochen auf Urlaub. Die neuen Koll. müssen jedoch Klassen aufsperren können.
Fix: Kein Fix für die Kanzlei – nicht meine Baustelle. Zum Glück (für die Kanzlei)
Ich schreibe unsere eigene Jugendcoachin an und bitte sie, die Verteilfunktion zu übernehmen.
Wir bestellen die Schulbücher, die wir ausgesucht haben, dann eben selber.
KV muss dringend in der Klasse über Verhalten untereinander, über Werte und Ziele sprechen.- Zeitnah!
15.9.2021
Erste Beobachtungen über Schüler:innenverhalten ergeben ein spannendes Bild: Genau die Schülerinnen, die wir NICHT ausgewählt hatten, machen bereits Probleme. Das Mädchen, das jetzt bei uns sitzt, weil sie von der Kanzlei nicht verständigt wurde – kann keinen PC bedienen und hat keine Kleidung für die Fachpraxis mit. Die irrtümlich gewechselte Schülerin („Mobbing“) ist weiter unter Beobachtung.
Der letzte Schüler kommt heute aus der Quarantäne zurück. Hiermit sind wir vollzählig.
23.9.2021
Die Kollegin und ich sind in Deutsch mit der Sprachs- und Wissensstandeserhebung fertig.
Nicht überraschend gibt es 3 Gruppen:

Ich werde mir die Zeit nehmen, dies mit den Abgangszeugnissen zu vergleichen (obwohl ich natürlich aus Erfahrung weiß, dass diese Noten genauso gut auch gewürfelt sein könnten) und ergänze dann um dieses Ergebnis.
Viel interessanter sind allerdings die Erkenntnisse aus dem ersten „Offenen Lernen“ Block. Eine Stunde am Dienstag, Doppelstunde am Mittwoch. Die Dienstags- Stunde diente diesmal hauptsächlich zur Anleitung und Vorbereitung.
Viele SuS sind bass erstaunt, dass ein Abschreiben aus dem Internet (statt einer eigenen Zusammenfassung in 10 Sätzen) nicht als Aufgabenerfüllung gewertet wird. ( Im Internet sind sie natürlich, weil sie unbekannte Begriffe googeln sollen) Ebenso erstaunt es doch einige Kids, dass wir darauf bestehen, dass sie sich den 4-minütigen Podcast tatsächlich anhören müssen, bevor sie das Arbeitsblatt ausfüllen (indem sie vom Nachbarn einfach abschreiben oder irgendwas ankreuzen)
Weiters fällt auf, dass sie, so wie sie es gewöhnt sind, gschwind über eine Aufgabe drüberfetzen, weil sie dann „erledigt“ ist.
Ein Mädchen murmelt halblaut (nachdem ich ihr die hingemalte A4 aus dem Internet zurückgebe und ihr sage, dass sie das selbst formulieren solle und außerdem direkt auf den Arbeitsplan schreiben solle laut Aufgabenstellung „schreibe hier:“), dass sie nicht wisse, was dieser Scheiß jetzt solle, sie habe eh alles fertig. Sie ist wirklich wie vor den Kopf geschlagen. Ebenso die anderen.
Findings:
Wie in den letzten Jahren immer wieder beobachtet, geht es viele Kolleg:innen in den Unterstufen (und leider auch teilweise bei uns in der Fachschule) weniger um die Aufgabenerfüllung und um einen Wissenszuwachs oder einen Lerneffekt für die SuS, sondern um eine weitere ausgefüllte Seite im Buch, um 20 fertige Arbeitsblätter und um ein „Vorankommen“ mit dem Stoff. Dass sie die einzigen sind, die „vorankommen“, monieren sie dann spätestens bei den Semesterzeugnissen. Oder bei den Schularbeiten, deren Beurteilungskriterien sie dann noch weiter heruntersetzen oder die sie auf andere Weise erleichtern.
Fix:
Wir machen für die SuS individuelle Zielvereinbarungen, verschriftlichen diese (in Teams im persönlichen Ordner der Kids auf One Note) und werden gemeinsam an den jeweiligen Lernfeldern arbeiten. „Anton App“ für Rechtschreibung und Grammatik ist bereits eingerichtet und wir machen aus einer der 5 Stunden Deutsch eine reine Lesestunde (niederschwellig und didaktisch und intellektuell redlich: kein lautes Vorlesen (= Vorstammeln), keine Einheitslektüre -sondern ein paar „Teaser“ mit Anlesen, Erzählen und selbst auswählen lassen – Lesen als Belohnung, so wie es sein soll)
9.10.21
Erwartungsgemäß haben nicht alle Kids einen Laptop oder einen PC, geschweige denn Guthaben, um mit dem Handy ins Internet zu kommen. Wir treiben (dank des Kollegen Pohl) über einen Verein 6 PC`s bzw Laptops auf, zwei Lapis spendet eine Kollegin.
Der höchst unangenehme Kontakt mit dem Vereinsobmann (siehe Blog) veranlasst mich zu einem Artikel mit einem Spendenaufruf. Das Ergebnis ist sehr erfreulich: 5.310 Euro kommen an Sponsor:innengeldern herein. Davon bediene ich 3.600 Euro an Kochgeld (180 pro Schüler:in), was definitiv eine Entlastung für die jeweiligen Familienbudgets ist.
Den Rest werden wir für WLAN Sticks, 2 fehlende Tablets/laptops und vermutlich für Schulbücher ausgeben, so die Kollegin vom Schulbuchkustodiat weiter darauf besteht, nichts bestellen zu wollen (weil sie ja „die üblichen“ Bücher bereits angefordert hatte)
Wir gehen in den Zoo, kaufen den Kindern eine Jause und haben einen sehr fröhlichen Tag – für einige war es das erste Mal im Zoo und offenbar für viele ein seltenes Erlebnis, einmal unbeschwert miteinander etwas zu unternehmen.
Es knirscht außerdem momentan kräftig im Getriebe- die Schüler:innen sind desorganisierter und weit weniger Computer affin als vermutet. Alle haben größte Schwierigkeiten beim Einstieg, bei der Bedienung des Stundenplans (Untis) und in Teams.
Findings:
Die Schüler:innen sind es gewöhnt, ihre schlechte finanzielle Situation zu verheimlichen – es dauert lang, bis wir herausgefunden haben, wer keinen PC/Laptop hat und sich auch keinen leisten kann. Ebenso ist es bei den Handys. Niemand sagt freiwillig, dass er/sie nicht in die Klassengruppe schauen kann, weil das Guthaben fehlt fürs Internet. Das erschwert natürlich die Organisation immens und stresst alle Beteiligten.
Die Entlastung durch die Spenden ist unmittelbar spürbar – auch für uns, denn mit Ressourcen ist es leicht, ein Problem zu beheben.
Das Beharrungsvermögen von Systemerhaltern ist faszinierend – es ist auch ansteckend. Obwohl ich die Kolleg:innen mehrfach gefragt habe, ob sie ihre bestellten Bücher schon erhalten haben, beschweren sie sich nicht bei mir – sie nehmen offenbar hin, dass sie keine bekommen. Eine Kollegin schlägt vor, die Bücher aus den Spenden zu bezahlen.
Fix:
für die Organisation: (engmaschige Kontrolle und Vergabe von Aufgaben, Sitzplanänderung)


für die Schulbücher: Ich habe Kollegen gebeten, explizit bei der Kustodin nachzufragen. Bei negativem Bescheid spiele ich das über die Direktion. Leider ist die Finanzgebarung der Schulbuchbestellung nicht transparent gehalten, ich weiß zwar, wieviel sie ausgeben kann (110,- pro Schüler:in laut RIS) aber nicht, wieviel sie tatsächlich ausgibt. (weil sie das laut Gesetz mit allen anderen Bestellungen für die Schule aufrechnen kann. Da wir in der Vergangenheit in der Fachschule nie alle Bücher bekommen haben und in der Einjährigen immer nur 4 bestellt wurden, habe ich einen begründeten Verdacht)
Lessons learned:
Armut hindert einen an der Erreichung einfachster Dinge. Scham ist eine Folge von Armut, weil gesellschaftlich so verankert.
„Mildtätigkeit“ ist für einige offenbar etwas, das von oben nach unten gegeben wird, für das man dann schöne Bilder von herzigen Kindern bekommt – damit man sich selbst besser fühlt.
Die Qualität der abgebenden Schulen ist , vor allem was die „computer literacy“ betrifft, noch furchtbarer als vermutet.
Die Kontrolle der Aufgaben (auch und vor allem der Alltagsaufgaben!!) kann noch nicht in die Selbständigkeit der Kids übergeben werden. (Ich habe auch einen leisen Verdacht, dass das ebenso für ein paar Kolleg:innen gilt)
Nachtrag zu den bestellten/nicht bestellten Schulbüchern, Okt 21
Da die Schulbücher nur teilweise geliefert wurden, verfasste ich ein Mail an die Kustodin und an den Direktor.
Findings:
Unser Schulbuchkustodiat verteilte ganz offenbar immer „nach oben“ – die Einjährige bekam magere 4 Bücher, die Fachschulklassen bekommen, zumindest seit ich an der Schule bin, z.B. kein Naturwissenschaftsbuch – d.h. die „Höhere“ wird fett bedient, weil das Budget ja insgesamt sehr wohl ausgegeben wird. Ein schönes Beispiel, wie aus dem Lehrbuch, wie das so ist mit den Bildungschancen in Österreich. In den Einjährigen (und in der ok! Klasse) und in den Fachschulen sitzen sowieso die Kinder der bildungsferneren Schichten – dann geben wir denen auch gleich weniger Schulbücher, als ihnen vom Gesetz her zusteht.
Winziges P.S. Die Kustodin bestellt offenbar im Buchhandel und nicht dort, wo ich bestellt habe (direkt beim Verlag nämlich), was ihr auch vom Gesetz her erlaubt ist. Ihre Listenpreise um 0,50 Cent bis 1 Euro höher. Läppert sich auch, würd ich mal sagen.
Fix:


Lessons learned:
Ich hänge den Mailverkehr deswegen an, damit junge Kolleg:innen, die das später nachlesen, verstehen, was mit dem Begriff „Sozialschach“ gemeint ist:
- Man muss einen klugen Zug machen, der dem Anderen das Gesicht lässt, ihn aber ganz klar auf die Faktenlage hinweist. (Die Fakten müssen allerdings hieb- und stichfest sein, aber das ist eh klar.)
- Man bietet etwas an. Intelligenterweise etwas, das dem Gegenpart dann doch zu peinlich ist.
- Ganz wichtig – Harvard Modell der Verhandlung MMIK – Menschen und Sachen getrennt voneinander behandeln.( Freundlich zum Menschen, aber hart in der Sache )- Möglichkeiten entwickeln – Interessen herausfinden statt Positionen zu vertreten – klare Kriterien erlauben Kompromisse. (Eselsbrücke: Marilyn Monroe im Koma)
Ich selbst war nicht freundlich. Ganz und gar nicht. Sorry not sorry.
5.11.
Anlässlich eines Besuches im Weltmuseum eskaliert die Situation für eine Schülerin, deren Mutter uns die Diagnose und die Behandlungsempfehlung der „Boje“ aus dem Juni 21 verheimlicht hatte, weil „die Tochter sonst vielleicht Nachteile in der Schule hat“
L**** ist schon länger diffus auffällig (merkt sich nichts, beginnt nicht mit der Arbeit, versteht oft einfachste Angaben nicht, ist aber andererseits sprachlich sehr gut, schreibt fast fehlerfrei und hat recht passable Zeugnisse. Ich hatte gleich von Anfang an das Gefühl, dass das irgendwas nicht okay ist, konnte es jedoch nicht recht benennen.) Auf massiven Druck von Matthias und mir brachte sie vor zwei Wochen endlich die Diagnose, nachdem sie vorher behauptet hatte, sie habe „vermutlich ADHS“- wie sich herausstellte, leidet sie unter einer PTBS nach Gewalt durch den Vater, der Bruder ist Borderline und ADHS diagnostiziert. Sie fürchtet sich vor seinen Ausbrüchen.
L**** findet nicht vom Karlsplatz zum Heldenplatz und fährt heim. Offizielle Begründung: Panikattacke. Die Mutter ist nach einem Telefonat endlich bereit, die Reha für L**** anzusuchen (die Boje empfiehlt einen Reha Aufenthalt und nachfolgende Psychotherapie) . Larissa hatte vorher in mehreren Gesprächen diese verweigert.
Mi***, eine andere Schülerin, schickt einen Entlassungsbogen des Spitals. Sie habe noch Schmerzen und käme nicht. Auf dem Entlassungsbogen steht, dass sie im Prater von 4 Mädchen verprügelt wurde. Sie hat unter anderem eine Gehirnerschütterung davongetragen.
Der Besuch im Weltmuseum ist überhaupt sehr „sprechend“ – nur 2 sind rechtzeitig da, die anderen finden trotz mehrerer Vorbesprechungen, trotz Wegbeschreibung in der Klassengruppe, trotz Rückfrage mehrerer Lehrpersonen, das Weltmuseum nicht und kommen zu spät. Während des Workshops fehlt es vielen an Aufmerksamkeit – was besonders negativ auffällt, da wir erstmals mit unserer Partnerklasse vom BRG 14 unterwegs sind (meine Referenzklasse für die Evaluierung. Gleiche Alters- und Herkunftsstruktur (geographisch)). Der Gap ist klar sichtbar: Am Beispiel der Beantwortung einer Frage nach dem Rassismus-Workshop. „Und wer bestimmt, wer DU bist?“


Wir haben auch einen neuen Schüler. Dieser wurde uns, ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung – und vor allem ohne einen Auswahlprozess durchlaufen zu haben wie die anderen Schüler:innen, zugeteilt. Er kam mit unserem bekannt orientierungslosen „Kandidaten“ A*** gemeinsam 40 Minuten zu spät, weil sie nicht wussten, wo sie hinsollten. Er ist auch der, der nach dem Workshop, als die Kids sich eine Stunde den Rest des Museums ansehen sollten, fragt, ob er eh rausgehen dürfe. Offensichtlich hielt er das für Freizeit….
23.11.
Was bei unseren Kids so los ist…..
Im Zuge des Deutschunterrichts (wir hören einen Podcast von „Die Zeit Verbrechen – das Hirn des Psychopathen“, wegen der schön und langsam gesprochenen Sprache und natürlich wegen der Spannung!) erzählt mir A***, dass er auch so ein Gehirn habe wie der Psychopath. Ich stelle das in Abrede, weil er der sanfteste und liebste Bursch ist, den ich hier kenne – „Nein“, sagt er. „Frau Professor, ich war als Kind in der Psychiatrie, weil ich so aggressiv werde“. Als er erzählt, wie das so war, wird mir schlagartig klar, warum er so oft zu spät kommt und herumspaziert: Er macht das, wie er sagt, wenn er merkt, dass er wieder wütend wird. Das hat er auf der Psychiatrie gelernt. Ich bin unsagbar wütend auf den abgebenden Jugendcoach, der das gewusst haben muss (Aufenthalte auf der Kinderpsychiatrie in der Pflichtschulzeit sind vermerkt.) es aber nicht der Mühe wert fand, uns das mitzuteilen.
Di*** redet plötzlich mit, genau die, die sonst so überstill ist. Das kenne sie, diese Wutausbrüche. Von ihrem Onkel. Der brülle dann auch Unbeteiligte an. Wir erzählen einander, wie gut wir das kennen, dieses „Gehen wie auf Eierschalen“. Ich von meinem Großvater, sie vom Onkel.
Ge*** öffnet sich seiner Lehrkraft im fachpraktischen Unterricht – manchmal sei er so fertig, dass er sich zu Hause einfach die Decke über den Kopf ziehe und mit niemandem reden könne. das sei überhaupt das Schlimmste – mit niemandem reden zu können. Er bewundert Sa****, der es auch schwer hat, wie er sagt, der aber durch Spazierengehen sich entlasten könne.
Sh**** wird immer unpünktlicher und fahriger, er fehlt 10 Tage. Endlich erfahren wir den Grund: Er hat ein schwebendes Asylverfahren (Abweisung und laufendes Verfahren, Warten auf Anhörung) und vor lauter Angst, abgeschoben zu werden, schläft die Familie nachts woanders.
Wir sprechen mit der Schwester und Dir. Rehberger setzt sich mit der Anwältin der Familie ins Einvernehmen, damit wir eine positive Eingabe zu Sh**** machen können.
Mo* kommt häufig zu spät und ist geistesabwesend. Endlich erzählt er, was los ist: Er wohnt mit der Mutter und zwei kleineren Geschwistern im Obdachlosenhaus. Sein Bruder wurde auf sein Betreiben wegen Gewalt weggewiesen, sie wohnten im Frauenhaus, bevor sie in die Arndtstraße übersiedelten. Er kommt deshalb spät, weil er seine jüngeren Geschwister in die Schule bringen muss, die Mutter ist psychisch und physisch fertig, sagt er.
Findings:
Der Erfolg des Projektes hängt sehr stark an der persönlichen Betreuung bzw an einer sozialpädagogischen Betreuung, die wir hier dauerhaft brauchen.
Fix:
Wir haben bald einen Termin mit Zwischenbericht bei Dr. Heller von der BD. Wir werden ausführlich darüber sprechen, warum wir auch eine dauernde SozPäd/Soz.arbeiterische Betreuung brauchen.
Lessons learned:
Unsere Schule braucht eine_n fixe_n Sozialarbeiter:in. Nicht nur für die ok! Klasse, den anderen Kids in der Fachschule gehts nicht viel besser meist.
Erkenntnisse zu den Jugendcoaches:
Die abgebenden Jugendcoaches haben und nicht gesagt, was mit den Kids los ist – hätten es aber wissen müssen (immerhin fanden die Kids den Weg zu den Coaches, daher haben wir auch, bei 21 SuS, bereits 5 identifizierte, schwerwiegende Problemlagen. Da kommt aber noch mehr). Jugendcoaching ist eben, und für etwas anderes sind sie auch nicht beauftragt, ein „Coaching“ an der Nahtstelle Schule/Beruf/weitere Schullaufbahn. Es ersetzt keinesfalls sozialpädagogische/sozialarbeiterische Interventionen. Die Kolleg:innen sind dazu auch gar nicht ausgebildet.
2.1.2022
Eine besondere Erschwernis bereitet uns der Herr Bildungsminister – die SuS können, wenn sie denn wollen, in die Schule kommen, müssen aber nicht. „Freiwilliger Lockdown“. Das führt dazu, dass genau diejenigen, die wir dringend hier brauchen würden, NICHT da sind. La*** Mutter benutzt die Situation dazu, nicht zu tun in Bezug auf den Reha-Platz, einige andere kommen nur zum Fachpraktischen Unterricht, ein paar kommen nicht zu den Schularbeiten. Ihre Aufgaben in Teams machen sie natürlich auch nicht. Es hagelt Frühwarnungen. Besonders bitter ist, dass Sh*** kaum erscheint – das ist gefährlich wegen seines Einspruchs bei der Asylbehörde. Wir erreichen ihn aber nicht.
Ar** bricht sich beim Sport den Knöchel und fällt bis zum Semester sicher aus.
Dia*** kommt erst nicht und schreibt dann, sie müsse ausreisen in die Ukraine, weil der Asylantrag abgewiesen sei. Die Mutter schickt auf unser Drängen dann den Bescheid. Wir bieten ihr an, den Schulplatz freizuhalten, wenn ihnen die Wiedereinreise gelingen sollte.
Wir konnten noch 8 HP Probooks (refurbished) auftreiben zu einem guten Preis (insgesamt 1.600 Euro). Die Spenden sind aufgebraucht, ich zahle das von meinem privaten Geld, weil ich die Spender:innen nach dem Semester um Praktikums/Lehrplätze bitten werde. Leider kommen die exakt am 23. 12 an, als die Schüler:innen schon weg sind. 6 davon müssen wir sofort nach den Ferien verteilen, den Kids sind ihre Geräte eingegangen…..
5.2.2022
Nachtrag, Semester.
Wir haben viele Fehlzeiten, Corona bedingt und vor allem, Erlass bedingt „Kommen Sie, wenn Sie wollen“. Das ist für Schüler:innen ohne Struktur bzw für die, die eine solche dringend benötigen, natürlich eine willkommene Aufforderung.
Für die Kids ist das Zeugnis dann auch oft unverständlich – sie sind es nicht gewöhnt, dass Leistung beurteilt wird. Oder nicht feststellbare Leistung eben „nicht beurteilt“ ergibt. Wir haben alle Lehrinhalte natürlich auf teams in Form von Aufgaben hinterlegt – aber viele sind nicht da und machen auch nichts in teams.
Trotzdem können wir mit gute Gewissen 10 Schüler:innen für die Fachschule empfehlen. 2 versuchen wir an anderen Schulen unterzubringen (technisch bzw sozial)
Interessant ist, dass einige Schüler:innen so gar keine Vorstellung von ihrer Leistungsfähigkeit haben – zwei total schwache Mädchen wollen unbedingt ins Gymnasium (eine braucht dringend einen Deutschkurs, die andere nehmen wir nur in die Fachschule, damit sie ihr Schülervisum behält, sie wäre sonst zu schwach). Ba***, eins der Mädchen, stellt sich bei einem Abendgymnasium vor. Zu ihrer völligen Überraschung erklären ihr die Kolleg:innen dort, dass sie sie weder mit dem Zeugnis der Einjährigen, noch mit ihrem Mittelschulzeugnis nehmen. (Mir hat sie nicht geglaubt.)
In Deutsch geben wir den Kids die Aufnahmetests eines BORG (D,E,M) und lassen sie versuchen, ob und wie sie damit zurechtkommen. Im Gegensatz zu dem, was sie in der Unterstufe einer Mittelschule vermittelt bekommen haben, ist das in den Tests Geforderte wie aus einer anderen Galaxie….
Wir haben endlich den Termin mit der Bildungsdirektion über teams. Dr. Heller hatte einen Unfall und war daher zum ersten Termin nicht erschienen.
Der Termin verlief „interessant“.
Dr. Heller meinte gleich zur Begrüßung, dass sie sich ursprünglich gedacht hätte, noch andere zu dem Termin einzuladen, dies aber dann lieber gelassen hätte. (Ja klar, wenn ich ein Projekt in Auftrag gebe und mich dann 7 Monate nicht mehr melde, hab ich mglw. auch Angst vor dem Ergebnis 😉 ).
Wir starteten gleich mit der Präsentation.
Danach war 2 Minuten Stille.
Findings:
Eine negative Erwartungshaltung so deutlich kommuniziert zu bekommen, hat schon was.
Fix:
Da fällt mir kein Fix ein, echt nicht.
Lessons learned:
Die Damen (Dr. Heller und Frau Kopf vom Sozialministerium) waren gerührt, geflasht, überrascht – und sie wollen natürlich umgehend mit diesem Projekt als „Best Practice Projekt von ganz Wien“ überall hingehen.
Wir dürfen dafür, laut Aussage, „alles“ – schauen wir mal. Ich fordere jetzt Werteinheiten an.
9.2.2022 HALBZEIT
FINDINGS zur Halbzeit: (MEINE, die der Teammitglieder frage ich in einem Fragebogen ab)
- Gut gelaufen ist die Auswahl. Die Devise „We hire for attitude and train for skills“ hat sich bewährt. Es sind immer noch fast alle an Bord – wir empfehlen 10 von 20 für einen weiteren Schulbesuch
- Die Kenntnisse in D und E sind grottenschlecht zumeist. Das wussten wir aber schon vorher. Beide Kolleginnen werden nächstes Jahr auf eigenen Wunsch nicht mehr im Projekt sein.
- Die Kids haben viel zu wenig Struktur und viel zu wenig Verbindlichkeit – dies ist nur zum Teil dem Corona-Erlass geschuldet
- Die sozialarbeiterische Tätigkeit muss von der unterrichtenden Tätigkeit getrennt werden. Stichwort: Bewertungssituation
- Wir benötigen therapeutische Angebote bzw. außerschulische, niederschwellige Betreuungsangebote von Fachleuten
- Die grundsätzliche Struktur des Unterrichts muss umgebaut werden, ein übergreifendes, projektorientiertes Lehren war nicht möglich.
FIXES
- Englisch und Deutsch werden neu besetzt, Kollegin für Englisch hat sich freiwillig gemeldet, Kollege für Deutsch wurde quasi gemeldet, der hat aber DAF/DAZ Ausbildung.
- Wir bauen nächstes Jahr radikal den Stundenplan um – es wird einen „Praxistag“ geben, an dem z.B am Vormittag „Fachpraktischer Unterricht“ ist und am Nachmittag „Büro“. Dies hat mehrere Vorteile, wir könnten jederzeit irgendwo draußen ein Praktikum machen lassen, an Projekten teilnehmen, wirklich fachübergreifend arbeiten. Dazu müsste KRM, EG, zusammengefasst werden an einem Tag und für „Büro“ IOM, Deutsch, Wirtschaftl. Rechnen, BEOR
- KV macht eine Fachkollegin in Zukunft, der sozialpädagogische/sozialarbeiterische Part ist dann klar getrennt von jeder Bewertungs-/Unterrichtssituation und könnte in PEK stattfinden.
- Fr. Dr. Heller hat uns zugesagt, dass wir planen können – also planen wir zusätzliche Werteinheiten für Doppelbesetzungen
- Die außerschulischen Angebote könnte das KUS liefern? Dr. Heller ist dort im Vorstand, sie bot es an.
- Frau Kopf vom Sozialministerium bot mehr Stunden für die Jugendcoaches an – hier gibt es vielleicht eine Möglichkeit, die fachliche Expertise auszuweiten (Therapeut:in? Sozialpädagog:in?)
LESSONS LEARNED
Es hat funktioniert, weil wir hier am Standort dafür gesorgt haben.
„Unterricht erteilen“ scheint in den letzten Jahrzehnten eine andere Bedeutung bekommen zu haben, als ich das vermutet hätte. Irgendwie sind viele versucht, einen Lehrplan einzuhalten, den es ja gar nicht gab. (Unschärfe durch Beibehaltung der Stundentafel der Einjährigen, weil Schulversuch noch nicht möglich lt. BD)
Leider hat es den Startworkshop nur sehr verkürzt gegeben, aber auch in geplanter Länge hätte er wenig gebracht, hier fehlen die Grundlagen des reformpädagogischen Unterrichts.
Wenn nicht für nächstes Jahr ein klares Commitment da ist, ist das Projekt danach Geschichte – ich bin dann nicht mehr da. Darüber hinaus habe ich keine Ahnung, wer das statt mir übernehmen wird/will/muss/soll, damit das Projekt als Schulversuch eingereicht wird und so bestehen bleiben kann – dann endlich mit geänderter Stundentafel und festgeschriebenen Zielen.
3.4.2022
Nachrichten von den Kids:
Sa*** (den wir praktisch zugeteilt bekommen hatten, er war nicht im Auswahlprozess) habe ich abgemeldet. Er kam nie, es gab zusätzlich ein höchst unangenehmes Gespräch mit seinem Vater, weil Sa*** ein massives Problem mit Frauen hat und auch jede Leistung verweigert, so er einmal erscheint. Ich telefoniere mit dem Ausbilder der Maßnahme, in der er vorher war. Dieser bestätigt, dass Sadek auch bei ihm verweigert hat.
Sh*** ist wieder regelmäßig da, und zu unserer Freude ist Diana wieder aus der Ukraine gekommen – leider ist sie, wie gehabt, sehr sehr still.
Ni*** ist ebenfalls abgemeldet, sie kam nicht mehr, nachdem sie zum zweiten Mal Corona positiv war und uns erklärte, das sei „ein Zeichen Gottes“.
Erb*** hatte sich abgemeldet, weil ihr das bfi in der Margaretenstraße angeblich erklärt hatte, sie brauche nur 4 Semester bis zum Schulabschluss, ist aber natürlich wieder da, weil dies eine Fehlinformation war und sie sich das Schulgeld ohnehin nicht leisten kann.
Durch einen Zufall (Kollegin M war erkrankt) konnte ich an einem Teams Meeting teilnehmen, wo Leute von der Lehrer:innenbildung der UNI Wien Schulen suchten, die Studierenden des Masterlehrgangs „Inklusion“ Praxisstunden anbieten können.
Fazit: Prof. Michelle Proyer war uns bereits besuchen und ich bin guter Dinge, dass wie nächstes Jahr Unterstützung und Begleitung haben werden!
10.4.2022
Nachlese von dem Bedankungsessen:
Das Bedankungsessen war ein großer Erfolg. Auf Initiative von S F schrieben die Kids Rezepte aus ihren Heimatländern zusammen und kochten diese am 15.3. Bei dieser Gelegenheit wurde das wunderbar angerichtete Essen (St P!) fotografiert. Maja und Anna stellten mit den Kids eine Deko her (und lieferten auch Illustrationen) – es entstand ein Kochbuch, das wir den Gästen als Give Away am Ende mitgeben konnten bzw. an die Abwesenden verschickten. Hier u.a. die Bilder der Veranstaltung.
Mir ist immer noch unklar, ob und in welchem Ausmaß die Bildungsdirektion dieses Projekt unterstützen wird – die zusätzliche „halbe“ Lehrverpflichtung für – noch dazu! – eine sonderpädagogische Lehrkraft kann ja nur ein Witz sein.
2.6.22
Es wird, jahreszeitengemäß und nicht verwunderlich, weils eh immer so ist, mühsamer.
Die Fehlzeiten häufen sich, und auch die Unpünktlichkeit steigt wieder.
Sh***ist wieder kaum da, zwischenzeitlich war er schnuppern als Automechaniker, danach schickte er auf meine fragenden Nachrichten ein Foto aus dem Krankenhaus – er habe eine Blutuntersuchung. Mo*** fehlt wieder häufig wegen Krankheit und Erb** – erscheint nicht mehr, weil beide Brüder mittlerweile einsitzen. Der eine wegen Drogenhandels in Wien, der andere in Wiener Neustadt wegen Anzündens einer Disco in Vösendorf (der schaffte es sogar in die Zeitung.) Erb*** schreibt #freemabrother und erklärt, das sei alles sehr sehr ungerecht.
Wir haben H** geerbt – einen Schüler aus der Einjährigen, mit dem dort natürlich niemand zurechtkam. H*** hat ADHS, ist komplett seelisch vernachlässigt, sein Vater hat ihm sowohl die Therapie als auch die Medikation abgebrochen. Dementsprechend reagiert der Bub. Das Gros der Kolleg:innen, natürlich eh die, die das Wort „Unterricht“ vom „Vortrag“ nicht unterscheiden können bzw wollen, sind unfähig bzw unwillig sich mit H*** auseinanderzusetzen.
Da sie auch meine erklärenden und mit Hilfen gespickten Mails nicht lesen, scheitern sie an einem intelligenten, aber impulsgestörten Burschen.
H*** wurde auf meine Initiative nunmehr einem Therapieprogramm zugewiesen (Philipp Dörler vom Jugendcoaching sei Dank!) und ich hatte ein höchst seltsames Vatergespräch, nach dem sich wieder einmal die Weisheit bewahrheitet, dass das Problem des Kindes am Ende der Hand zu finden ist. In dem Fall beim Vater und bei der nicht vorhandenen Mutter.
Gestern war Auswahltag für die neue ok! Klasse. Ganz andere Klientel als letztes Jahr: Mehrere Ukrainerinnen, viele sehr gute Kids, die in einem Gegenstand ein genügend haben und daher keine andere Schule finden werden – wir verteilen jedoch flexibel auch auf die Fachschule.
22.6.22
Die Noten stehen fest.


13 SuS an der FSW angemeldet, davon müssen jedoch 3 eine Wiederholungsprüfung machen, um tatsächlich in die 1. Fachschule gehen zu können. Zwei haben sich zu einem Kurs bei der VHS angemeldet, ich hoffe, das klappt. A*** muss erst überzeugt werden – und: niemand wird ihm den Kurs finanzieren, allein wird ers nicht schaffen. Das ist allerdings das geringere Problem, das treib ich bei meinen Sponsor:innen schon auf. (Was machen eigentlich die armen Kinder, die keine Sponsor:innen haben? genau. Die gehen einfach verloren, weils eh jedem wurscht ist. Oder nein, nicht wurscht, weil ich gehört hab „Dann müssen sie sich halt eine Nachhilfe suchen“. Ja klar, und zu Weihnachten dann sollen sie sich ein eigenes Zimmer wünschen, und einen gscheiten Laptop. Und WLAN. )
Auf alle Fälle brauchen wir einen „Plan B“ für die mit Wiederholungsprüfung. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass die Kollegin sie durchlässt, für 1%. Die Jugendcoaches sind eingebunden.
Ich habe die SuS anonym ein Feedback abgeben lassen. 16 Antworten habe ich bekommen (Di** ist und bleibt wieder mal verschwunden, ebenso Erb***, La***natürlich auch.)















H***, der ADHS Schüler mit Mehrfachproblematik, gab übrigens die Antwort „lebendig zu sein“ bei „Hassensfach“. Ich wollte es nur hervorheben, weil doch einige Kolleg:innen kein Verständnis für ihn aufbringen können oder wollen. (Ist ja richtig ein Glück, dass die psychisch angeschlagenen Kolleg:innen, die wir im sonstigen Lehrkörper haben, von jeder und jedem wie rohe Eier behandelt werden – das wäre ein feines Experiment, ihnen wenigstens einen Tag lang dieselbe Behandlung zuteil werden zu lassen wie solchen Schüler:innen, oder? )
Sein Vater hat btw. den Therapieplatz noch nicht bestätigt bzw mir nicht geantwortet. nach 30 Tagen ist der Platz aber weg.
Was gibts sonst noch? Die nächste ok! Klasse steht. SuS waren da, sind angemeldet. Es gibt Werteinheiten für Teamteaching.
Zwei der Laptops für die SuS wurden mir aus dem Lehrerzimmer gestohlen. Und nein, Frau Kollegin, da waren keine Schüler heimlich herinnen und haben die Spinde durchsucht. Die kommen nämlich hier gar nicht rein. Und sollten sie reinkommen, sind sie keine Minute ungestört.
Eigentlich wollte ich in meinem Sachbuch über die Schule (in Vorbereitung) den Fokus auf die unterschiedlichen Ausbildungswege, die Übertrittsmöglichkeiten und -verhinderungen schreiben. Die Verhaltenskreativität, die streckenweise Bösartigkeit und die mangelnde pädagogische, menschliche und charakterliche Eignung von Kolleg:innen wollt ich nicht besonders behandeln (niemand will so viel grausliches Zeug lesen) aber ich glaub, ich muss doch wenigstens ein Kapitel dazu verfassen.
Schlussbericht ok! Klasse
Feedback der Kolleg:innen, im Vergleich Halbjahr/Jahresende:


Nicht mehr alle haben geantwortet – eine oder zwei möchten auch nicht mehr dabei sein. Nebenfächer (Turnen, Musik etc. war zwar eingebunden, äußerten sich jedoch kaum bis nie)
Die Gründe, warum die Kolleg:innen nicht mehr dabei sein wollen:
„+: Manche wollen wirklich weiterkommen und arbeiten konsequent dafür: schreiben, üben, verbessern etc.
+: freies Arbeiten
-: sehr heterogene Gruppe mit unterschiedlichem Arbeitstempo, Vorwissen – bin überfordert, alle / eine größere Zahl abzuholen
-: Arbeitshaltung (Basics) und nur sporadischer Schulbesuch bei einigen erschweren ein kontinuierliches Arbeiten“
„Die unterschiedlichen Sprachniveaus erfordern eine enorme Vor- und Nachbereitung, was mit einer vollen Lehrverpflichtung nicht vereinbar ist.“
Die Gründe, warum die Kolleg:innen wieder dabei sein wollen: (auszugsweise)
„Freiheit des Lehrplans – kann machen was ich für sinnvoll halte. Interessante Schüler:innen. Sinnvolles Projekt – es ist schön zu sehen, dass wir nicht denen helfen, die eh schon gute Eingangsvoraussetzungen haben, sondern jenen, denen es an Unterstützung und Struktur fehlt. Es ist schön zu sehen wie sich die Schüler:innen entwickeln.“
„Weil ich Teil eines großartigen Projekts sein darf.
Weil es fordert und meinem Idealismus entspricht.“
„Ich merke, dass die Jugendlichen mich mögen und respektieren. Der Unterricht besteht zu einem hohen Prozentwert aus Sozialarbeit mit wirtschaftlichem Schwerpunkt. Die SchülerInnen schätzen es sehr, wenn man zu ihnen freundlich ist, sie möglichst ernst nimmt und sie ausreden lässt.“
„Das von den SchülerInnen entgegenbrachte Vertrauen und die Freude, die soziale Arbeit und der zu beobachtbare Fortschritt sind erfüllende pädagogische Tätigkeiten.“
„Weil SchülerInnen größtenteils überdurchschnittlich motiviert und interessiert waren.“
„Das flexible Reagieren auf die individuellen Bedürfnisse macht mir Spaß. Die erlebte Wertschätzung von einigen SuS. Fortschritte die gerade in der Fachpraxis rasch sichtbar sind.“
Ich finde das sehr schön und erfreulich – wie hat mein Lehrtherapeut. Dr. Shapur Homayun immer gesagt: „Was wir jemandem zuschreiben, das zünden wir in ihm auch an!“
Die gesamte Auflistung ist hier:







Interessant – das waren die von mir erwarteten Defizite. Damit befinden wir uns in guter (oder auch schlechter) Gesellschaft mit allen (und zwar tatsächlich mit allen, auch den uralten Studien). Wer, schichtspezifisch bzw wegen Flucht und/oder Vertreibung die Bildungssprache (zu unterscheiden von der Unterrichtssprache!!) nicht erlernen kann, scheitert zuverlässig. Vor allem, weil wir weiterhin so tun, als ob die SuS diese Sprache verstehen müssten und so unterrichten….







Ebenfalls nicht verwunderlich – nicht nur die Bildungssprache hat gefehlt, auch die Deutschkenntnisse waren äußerst mangelhaft – trotz tw. 4-8 Jahren Unterstufe. Hier zeigt sich das Totalversagen der Mittelschule. Am besten Deutsch sprach btw. der Bursch der erst in Österreich durch einen Deutschkurs alphabetisiert wurde. Dort lernte er die Struktur, konnte sich ganz offensichtlich mit hochdeutsch sprechenden lehrenden und Teilnehmer:innen austauschen. Die anderen sprechen das typische Pidgin-Deutsch aus dem Park. Nach 4 Jahren Unterstufe.


Ja. Eh. Aber sie sammeln sich, weil sie zu schlechte Noten haben, natürlich hier.




Hier der Bericht, der an die Bildungsdirektion geht:
Was habe ich noch zu sagen?
- Ich habe es genossen, herzeigen zu können, dass es funktionieren kann, wenn man will, die anderen Versuche in den HLWs waren nicht erfolgreich.
- Die Gründe für das Gelingen sehe ich im „Mindset“ der allermeisten Kolleg:innen, die Schwierigkeiten, die wir hatten, in den Vorgaben der Bildungsdirektion/des Ministeriums
- Ein wesentlicher Grund für das Gelingen ist die Unterstützung durch das Leitungsteam.
- Wesentlich erleichtert hat uns die finanzielle Entlastung der SuS durch die Sponsor:innen.
- Wesentlich erschwert wird der Bildungsweg der SuS durch das Versagen der Mittelschule und durch das Negieren der Defizite durch die Sekundarstufe II (Voraussetzen von Wissen, Begrifflichkeiten etc)
- Wesentlich erschwert wird der Bildungsweg der SuS auch durch die Haltung von Kolleg:innen, die Bildung für „solche Kinder“ (Zitat Kollegin) bedingt durch die habituelle Distinktion als „Gnadenakt“ bzw. „ausufernd zu bedankende Wohltätigkeit“ wahrnehmen möchten.
„Riesige Chance, die sie nicht nutzen“ (Zitat Kollegin) oder: „..wenn wir ihnen hier eh alles in den Arsch schieben“ (Zitat Kollegin, das Sponsoring des Kochgeldes bzw. die Laptops betreffend)
Da die SuS in diesem Projekt oft auch aus dysfunktionalen Familien kommen, haben sie ein sehr feines Gespür für das, was Erwachsenen sich denken/wie diese grad so drauf sind (diese Fertigkeit rettet ihnen oft ihre körperliche Unversehrtheit). So sprachen die SuS eine:n Kolleg:in direkt an: „Wenn Sie uns nicht mögen, warum unterrichten Sie uns dann?“
Im Rahmen des Aufnahmetages für die neue Klasse halfen mir mehrere SuS aus meiner zweiten Fachschule mit den Vorbereitungen. Aus Platzgründen setzten sie sich in die Projektklasse. Später erzählten sie mir, die SuS dort seien eh nicht schlimm, und, mit Bedauern in der Stimme: “ Manche können halt mit Kindern nicht umgehen, wissen Sie!“ - Wesentlich erschwert wird der Bildungsweg der SuS durch Kolleg:innen, die die Symptome und Auswirkungen psychischer Belastungen bei SuS negieren/verdrängen/nicht verstehen.
Nein, ein SuS mit der Diagnose Depression steht nicht eines Morgens wieder fröhlich auf und kommt und macht super mit und nein, der SuS mit Panikattacken nutzt diese NICHT aus ( oder fingiert die) , um den Raum zu verlassen, es ist umgekehrt.
Das nächste Schuljahr wird zeigen, ob eine Einreichung als Schulversuch möglich ist. Stay tuned und lies oben weiter.