„Warum sagst du das nicht gleich?“

In einem Thread auf facebook gefangen und diskutierend, warum so viele Frauen so lange schweigen, wenn sie von ihren Partnern misshandelt werden, mache ich Pause und schreibe hier. Warum?

Na weil der Effekt, wenn man etwas sagt, einem allseits bekannten Muster in der Schule gleicht.

Kennt ihr das, als ihr Jugendliche wart? Ihr wart mit jemandem aus, oder euch ist etwas passiert – und, was hat der Vater gsagt? (Oder auch die Mutter)

„Warum bist denn überhaupt dorthin gegangen“ , „Warum hast dich überhaupt mit dem/der eingelassen“, „Hab ich dir nicht immer gsagt,………“

Ich nehme an, das war bei euch auch der Grund, dass ihr zu Hause genau nichts gesagt habt. Weil ihr euch ein mehrtägiges Donnerwetter mit allerlei Schuldzuweisungen anhören hättet können.

In der Schule passiert uns leider etwas durchaus Ähnliches.

Wer kennt den Spruch nicht: „Also das haben wir aber schon in der Unterstufe gehabt!“

oder: „Also das hab ich doch erst letzte Woche erklärt!“

oder: „Also ich versteh gar nicht, wie du SO in die dritte/vierte/..Klasse gekommen bist!“

(Ihr hört den Tonfall, ich wette. Und, worauf ich noch wette: Ihr hört euch selbst.)

Dass uns, auch bei besten Absichten, genau solche scheiß Aussagen passieren, hat einen Grund.(Lernen am Modell, keine andere Variante jemals gesehen/gehört haben, im Stress nicht nachgedacht und auf ein eingeprägtes Muster zurückgesprungen etc etc….dazu später einmal mehr)

In guter Berater*innenmanier fragen wir aber jetzt nicht, wer Schuld hat, sondern:

  1. Was ist los?
    Die Schüler*in hat etwas nicht kapiert damals oder vor einer Woche oder vor hundert Jahren.
  2. Was ist zu tun?
    Wir müssen die Art des Unterrichtes/ die Erklärung/ die Übung so lange verändern, bis sie es begreifen.

Schüler*innen lernen schnell. Am schnellsten lernen sie, unangenehme Dinge zu vermeiden. (Kennen wir von uns selbst, oder?).

Das heißt: Sie fragen gar nicht mehr, wenn sie etwas nicht verstanden haben bei der ersten Erklärung.

Und weil sie nicht gleich fragen, fragen sie auch später nicht. Nicht nach einer Woche, nicht nach einem halben Jahr, und schon gar nicht nach zwei Jahren. Weil das dann im besten Fall peinlich ist und im schlechtesten eine Tirade einer selbstgerechten, schlechten, vom Leben angepissten Lehrperson nach sich zieht. Vor der ganzen Klasse natürlich.

„Ich versteh gar nicht, warum ihr sowas macht!!! Das ist doch bitte Uni, erstes Semester! Didaktik! Gschlafen, oder was? Gfeiert wahrscheinlich! Es ist mir unbegreiflich, wie ihr es überhaupt in den Lehrberuf geschafft habt!“

Wie gehts euch jetzt?

(Wie die Berliner*innen sagen würden: Siehste selber, ne?)

Kommentar verfassen