Leider ist das „Programm“ nicht mehr online verfügbar – anlassbezogen habe ich aber einen älteren Artikel von mir hochgeladen….
Angeregt durch einen Kommentar „Ich habe mir das Programm der Identitären angesehen und keinen Rassismus gefunden“ habe ich mir deren ausführliche Beschreibung einmal angesehen. Fazit: Das klingt wie eine Mischung aus einem schwachen, dystopischen Science -fiction Plot und cos-play:
„WIR sind die Bewegung, deren Generation für einen falschen Blick, weil sie jemandem eine Zigarette verweigert oder eine andere Art sich zu kleiden hat, getötet wird.“
Coole Eröffnungssequenz, ich sehe die öde Landschaft geradezu vor mir, die verwüsteten Städte, die ums Überleben kämpfenden Banden….
„Wir sind die Bewegung, deren Generation doppelt bestraft ist: Verurteilt, in ein Sozialsystem einzuzahlen, das durch die Fremden so instabil wird, dass es unseren Kindern schon nichts mehr nützt.“
Verurteilt ist gut, das lässt an ein grausames Regime denken. „Die Fremden“ evoziert in mir sofort eine außerirdische Rasse, die qua definitionem böse und grausam ist. Scheint spannend zu werden, der Film!
„Unsere Generation ist das Opfer der 68er, die sich selbst befreien wollten von Traditionen, Werten, der autoritären Erziehung. Aber sie befreiten sich nur von ihrer Verantwortung.“ Oh wow, jetzt lernen wir die Protagonisten kennen – sie stehen für Tradition, Werte und für autoritäre Erziehung. Okay, jetzt ist klar, es ist eine Dystopie.
„Wir lehnen die Geschichtsbücher ab und wollen unsere Erinnerungen selbst wiederfinden. Wir sind die Bewegung, die den Fernseher ausgeschaltet hat, um selbst zu denken.“
Hey spannend, das erinnert mich an den alten Film, wo der Typ eine Sonnenbrille findet und plötzlich erscheint überall „obey“. Keine Ahnung, wie die das im Film umsetzen wollen mit den eigenen, wiedergefundenen Erinnerungen..die sind ja maximal 1980 geboren – welche Erinnerungen meinen die? Grease? Disco? Den Vogerltanz?
„Wir sind die Bewegung, die heute eine Wahl trifft: Sich zu stellen und in erster Reihe zu stehen.“ Jetzt wirds martialisch..ich bin gespannt!
„Wir sind die Bewegung, die lieber die Thermopylen wählt, als die Schlaffheit und die Selbstverleugnung.“
Jööö, die Spartaner! Eingeölte, trainierte, halbnackte Männer, mutig und kampferprobt…klingt nach „Spartacus“ in er Erotikfassung. Jaaa, das ist ein erregendes Bild, das mag ich…doch halt! War da nicht zuerst etwas mit „Wir lehnen die Geschichtsbücher ab“? Natürlich muss man konzedieren, dass Herodot nicht unbedingt der genaueste Historiker war, aber lehnen sie jetzt Geschichtsbücher ab oder zitieren sie grad aus einem? Wir wollen nicht so sein, es ist ein Film…
„Wir sind die Bewegung, die auf unsere Identität, unser Erbe, unser Volk und unsere Heimat schaut und mit gestärktem, aufrechten Gang in die Zukunft gen Sonnenaufgang marschiert.“ Na den Film kenn ich aber auch, das ist aber sowas von gefladert! Und wieso Sonnenaufgang eigentlich? Die wollen in den Osten? Was wollns denn dort?
„Wir sind die Bewegung, die sich anstrengt, ob in Sommerlagern, beim Bergsteigen, oder Kampfsport. Die Bewegung, die Schläge einstecken kann. Die Bewegung der Härte, des Schweißes und der Selbstüberwindung.“ Jetzt fladern die mir aber ein bissl zu viel, das ist doch die Beschreibung eines Hiltlerjugendfilms! Fehlt nur noch das Zitat mit dem zähen Leder und dem Kruppstahl. (Ach so, das kennen die ja nicht, es warat wegen der Ablehnung der Geschichtsbücher, ich vergaß kurz)
„Wir sind die Bewegung einer alternativen, tiefwurzelnden Kultur. Ob nun Rockbands mit Bombarden und Dudelsack oder Elektro- oder Industrial- Musik mit lateinischen Kehrheimen, aber auch Moshpits und -circles.“ Jetzt sinds wenigstens wieder mit ihrem eigenen Plot in line, sozusagen- das sind zweifellos ihre eigenen Erinnerungen, die sie wiedergefunden haben.
„Wir lehnen die Geschichtsbücher ab und wollen unsere Erinnerungen selbst wiederfinden. Wir sind die Bewegung, die den Selbstmord als persönliche Flucht, als Zukunft einer Generation, als Schicksal einer Zivilisation, ablehnt.“
Okay. Das erste ist redundant, das zweite muss mit ihren Erinnerungen zu tun haben – in der Schule liest man ja immer noch die Leiden des jungen Werther, oder?
„Wir sind die Bewegung, die die Transzendenz und den Glauben über materielle Güter stellt. Die Bewegung, die die Selbsthingabe über die berufliche Karriere stellt, die den heroischen Schlag des Lebens gegenüber der wirtschaftlichen Optimierung vorzieht.“
Irre ich mich oder sind die jetzt von den Spartanern direkt zu den Kreuzrittern gesprungen? Mmmm, schon wieder junge, stramme Jünglinge, diesmal in Rüstungen und auf feurigen Pferden…jetzt hab ich schon wieder Fantasien! Gute Wendung in dem Film, das wird doch noch erotisch!
„Wir sind die Bewegung, die sich für die Gemeinschaft entscheidet und die voller Entschlossenheit ist, zusammen die Zukunft unserer Heimat in die Hand zu nehmen.“
Die spielen zu viel cos-play, das klingt nach Mittelalter….
„Wir sind die Bewegung, die bereit ist, der Politik ihr einstiges ruhmreiches Ansehen zurückzugeben und die auf allen Ebenen, mit einer klaren Idee, aufmarschiert : Wir sind die Zukunft.“
Wo haben die in ihren eigenen Erinnerungen bitte das ruhmreiche Ansehen der Politik? Mir dünkt wir befinden uns schon wieder im griechisch-römischen Kulturkreis…Geschichtsunterricht „Antike“
„Das Lambda, gemalt auf den Schildern stolzer Spartaner, ist unser Symbol. Verstehst du, was es bedeutet? Wir werden nie zurückweichen, niemals aufgeben!“
Schon wieder diese faszinierenden Spartaner….ich kann mich kaum auf den Text konzentrieren, dauernd seh ich zwei, drei nackte, eingeölte, trainierte Jungs vor mir….aber mir fällt grad ein, diese Stelle hab ich einmal aus dem Altgriechischen übersetzen müssen, und schon ist die erotische Fantasie weg.
„Glaubt nicht das hier wäre einfach nur ein Manifest, es ist eine Kriegserklärung an diejenigen, welche ihr Volk, ihr Erbe, ihre Identität und ihr Vaterland hassen und bekämpfen!“
Cos-Play, eindeutig. Oder Videogame?
„Ihr seid von gestern, wir sind der Morgen!“ Naaaa, ned! Jetzt klingen sie aber wie ein japanischer Fantasy-Action Film, das ist ein Filmfehler, echt jetzt!
„Wir sind die identitäre Bewegung, die andere Generation. Wir sind wie Du, werde DU wie wir!“
Wie jetzt? Sinds wie ich oder soll ich so werden wie sie? Weil wenn sie wie ich sind, kann ich ja so bleiben wie ich bin und muss nicht wie sie werden, oder? Verstehe! das ist so ein Jim Jarmusch/Quentin Tarantino/David Lynch Ende! Hach, ja, das sind auch meine wiedergefundenen, eigenen Erinnerungen..