Also gut, Leute, reden wir über die „Ausländer“, die „erschreckend hohen“ Zahlen an muslimischen Kids in der Volksschule und über „Integration“.
„Ausländer“ sind für viele Leute alle, die a) nicht hier geboren sind, b) deren Eltern und Großeltern nicht hier geboren sind, c) alle, die nicht so ausschauen wie „wir“ d) deren Vorfahren schon keine österreichische Staatsbürgerschaft hatten, e) jede:r, der/die eine andere Muttersprache hat als Deutsch. (Da fall ich dann auch drunter, nur so nebenbei. Wenn die Blaunen mich dann „remigrieren“, dann bitte gleich nach Triest, ohne Umweg über ein Lager, oder so. Wär nett. )
Die „erschreckend hohe“ Zahl an muslimischen Kindern in der VS ist – eine Zahl. Sie ergibt sich aus der Tatsache, dass die Kindeskinder der vor Jahrzehnten Zugezogenen (das sind btw die, die beim Billa kassieren, die die Alten pflegen, die in der Früh mit der U6 in die Hacke fahren auf der Baustelle, die, die im Restaurant kochen, abwaschen und servieren, die, die die Schuh noch reparieren und die, die die Änderungsschneidereien führen, Ärztinnen und Ärzte, Künstlerinnen und Künstler und so weiter) in die Schule gekommen sind. Da sind sicher auch schon Kinder meiner ersten unterrichteten und begleiteten Kids aus dem Jahr 2000 dabei. Und natürlich die Kids der Geflüchteten.
(Warum die alle hier sind? Weil wir ihre Eltern/Großeltern geholt haben, weil sie ein besseres oder überhaupt ein Leben haben wollten oder weil sie keine Lust darauf hatten, dass ihnen oder ihren Kindern Bomben auf den Schädel fallen. So schwer ist das jetzt nicht zu begreifen, oder? Gut, dass sie da sind. Nix würd mehr funktionieren ohne sie )
Abgesehen davon, dass ich als Atheistin von Religion in der Schule gar nix halte (aber wir haben das Konkordat, also ist es einstweilen so, wie es ist), ist Religion Privatsache, darf natürlich ausgeübt werden, sie darf auch gewechselt oder aufgegeben werden. Der Islam ist seit 1912 (also seit dem Kaiser) anerkannte Religionsgemeinschaft. Die allermeisten Leute, die ich kenne, nehmen ihre Religion so ernst wie ihr – man feiert ein paar „traditionelle“ Sachen, geht an hohen Feiertagen in die jeweiligen Gotteshäuser und das wars auch schon. So nahmen kaum noch Schüler:innen in meinen Klassen am Reli-Unterricht teil, sie entschieden sich für „Ethik“. Was uns als Klassenverband niemals daran hinderte, Adventkalender aufzustellen und zu befüllen, Osterhasen und Krampusse auszuteilen oder gemeinsam einen Iftar zu feiern. Das hat was mit Wertschätzung und Gemeinschaft zu tun. Gemeinsam feiern kann und soll man nämlich immer. Nur so als Tipp.
DAS ist es, was bei der „Integration“ fehlt.
Wertschätzung für das Verschiedene. Das wär ja auch lächerlich, wenn ich einen anderen Menschen nur akzeptieren könnte, wenn der in allen Dingen genau so ist wie ich. Das wär schon ein bissl eine Störung, oder?
Integration heißt nicht Assimilation. (Und ich hege den Verdacht, dass auch das komplette Annehmen des Katholizismus, das Erlernen des Goldhaubenstickens und des Schuhplattelns sowie ein intensives Dialekttraining und ein wöchentliches, öffentliches Schweinsbratenessen euch nicht reichen würde, oder? Sie wären für euch immer noch „Ausländer“)
Interessant ist, dass immer das Bild des „christlichen“ Österreich beschworen wird, wenns um „Ausländer“ geht. Als ob irgendwer von euch „christlich“ wär. Bigott seid ihr, sonst gar nix. (Ja, es gibt einige Wenige, denen ich das Christliche sogar abnehme. Ihr habt meine absolute Hochachtung und ich kann euch an einer Hand abzählen)
Wie kann Österreich für all diese Zugezogenen „Heimat“ werden?
Sicher nicht, indem man alles, aber auch alles ablehnt, kleinmacht, ins Lächerliche zieht, was man nicht kennt – und den Kids in der Schule damit schon beibringt, dass sie „schlecht“ sind. Alles, was sie glauben, tun und auch wie sie sprechen, ist „schlecht“. Und falsch.
Was ist die natürliche Reaktion darauf? Ein Rückzug, eine Abkehr, ein Einigeln und eine „Rückbesinnung“ auf ganz alte, aber überkommene Werte – die ihnen irgendein Hinterhofprediger beibringt. Gleichzeitig mit der „Erhöhung“ durch eine bestimmte Religionszugehörigkeit (So wie jede christliche Organisation auch, btw.) Dort bekommen die Kids dann Wertschätzung, dort sind sie wer (vor allem die Jungs in der Pubertät)
Dort bekommen sie dann eine „Heimat“.
Glaubt ihr tatsächlich, dass es Sinn macht, 6 bis 10jährige dafür zu verurteilen, dass ihre Eltern Muslime sind und sie dadurch zufällig auch? Eltern, die wahrscheinlich genau 3 mal im Jahr in die Moschee gehn, so wie ihr 2 Mal im Jahr in die Kirche geht?
Was sollen der Ahmed, der Boris und die Lilijan und die Aysenur jetzt tun? Sich entschuldigen? Ihren Handarbeitskoffer packen und „remigrieren“? Das Zeitreisen erfinden und ihre Eltern in der Vergangenheit am Herkommen hindern?
Und dann, ja dann wär alles wieder „gut“? Wie weit gehn wir den zurück übrigens- 1933? 1918? 1867? 996?
Merkt ihr langsam, dass euch da jemand einfach nur braune, stinkende Haufen hinscheißt?