Konzept der „Positiven Absicht“

„Jedes Verhalten hat eine positive Absicht“

sagen die NLP Leute . Und was ist das nun wieder für ein seltsamer Satz.

Er bedarf der Erklärung.

Zu irgendeiner Zeit, in irgendeiner Situation, hatte auch das seltsamste Verhalten einen klaren Sinn:

Aus der Lerntheorie wissen wir, dass es eine Form des Lernens gibt, die wir uns in vielen Situationen gerne wünschen würden: das „one shot learning“, lernen durch eine einzige Begebenheit. Wir müssen nicht hundertmal auf die Herdplatte greifen, um endlich zu lernen, dass Hitze die Haut verbrennt. Einmal wird reichen, oder?

Das gleiche Phänomen gibt es allerdings auch in Situationen, die uns nicht beim Überleben helfen.

Und in diesem Fall ist das „one shot learning“ kontraproduktiv

Ein Gast wird einmal nicht ordentlich bedient – er schreit und regt sich auf – plötzlich funktionierts! Aha, so geht das also, denkt sich der Gast (one shot learning!) und schreit von nun an gleich von vornherein…

Wenn sein Verhalten jetzt auch noch Erfolg hat, hält er das für eine gute Strategie – denn sie geht ja auf!

Eine zweite Variante ist die der Lernerfahrung aus unserer Kindheit, die nicht mit uns aufwächst, gescheiter wird, neue Handlungsmöglichkeiten dazulernt:

Das Kind, das mit fünf Jahren lernt, dass es sich möglichst schnell aus dem Staub machen soll, wenn die Eltern streiten, weil sonst kriegt es auch noch was ab, handelt sehr vernünftig – denn es will nicht verletzt werden.

Das gleiche Kind, das als erwachsene Frau sich immer noch sofort aus dem Staub macht, wenn sich zwei streiten, handelt zweifellos nicht unbedingt vernünftig .

Trotzdem hat ihr Verhalten eine positive Absicht – bloß ist die fünf Jahre alt, hilflos und sehr klein.

Und Sie begegnen genau jetzt dieser Schülerin, diesem Kollegen, dieser Sekretärin……

Reagieren Sie auf die Absicht, nicht auf das Verhalten

…wenn Sie können. Damit Sie das können, müssen Sie etwas tun, um nicht ihren  eigenen Deutungen, ihrem Gedankenlesen auf den Leim zu gehen:

Trennen sie Wahrnehmung und Interpretation

Hinterfragen sie ihr „Gedankenlesen“

Bewerten sie nicht!

Fragen sie sich: Was hat das mit mir zu tun?

Ah! Das geht nicht?
Machen sie sich bewusst, in welches Muster sie vielleicht immer wieder verfallen, sobald die „schwierige Person“ auftaucht, oder sobald die für sie „schwierige Situation“ eintritt!

Manchmal löst eine Geste oder eine Mimik (etwa die wegwerfende Handbewegung, das Fallenlassen der Unterlagen auf den Tisch oder ein Stirnrunzeln oder ein Blick) eine Kette von Verhaltensweisen aus – sie geraten in eine sogenannte „kalibrierte Schleife“.

Ich erzähle ihnen eine typische kalibrierte Schleife, in die ich selbst immer wieder geriet:

Als Managerin bei Xerox hatte ich jeden Montag das zweifelhafte Vergnügen, im Strategiemeeting auf den Controller zu treffen, meine persönliche Strafe für Verfehlungen in einem früheren Leben…

Sobald ich begann, ein neues Projekt zu präsentieren, setzte er sich aufrecht hin, sah mich von schräg unten an , verzog den Mundwinkel, schüttelte den Kopf und begann, auf seinem Block zu schreiben.

Ich nahm das wahr, nahm an, dass er schon wieder einmal dagegen sein würde, ich war fest davon überzeugt, dass er mich als Frau geringschätzte, bekam einen hohen Blutdruck und wirkliche Hassgefühle. Reaktion: Ich begann ihn anzugreifen oder mich zu rechtfertigen.

Ergebnis: sehr oft war er dann wirklich dagegen….

Jahre später kam ich dahinter, dass er bei jeder Präsentation von jedem die gleiche Verhaltensweise zeigte: es war seine Art, nachzudenken, und sich Notizen für die Durchführung des Projektes zu machen!

Und der einzige Mensch, der meine Projekte verhinderte, war ich selbst.

Interpretation und Gedankenlesen führen zu starrem, unflexiblen Verhalten.

Sie als Profi in ihrem Job können zu einem neuen, flexiblen Verhalten finden – und ihre Kommunikation ändern – denn ihr Gegenüber werden sie nicht ändern können.

Wie wird man in seinem Verhalten wieder flexibel – also handlungsfähig?

Bert Hellinger, der bekannte Familientherapeut, hat in einem Seminar einen Satz gesagt, der viel Widerstand ausgelöst hat: Nehmen sie die Schuld auf sich

Natürlich nur in Gedanken – denn dann werden sie handlungsfähig.

Nehmen sie die Verantwortung für das Gelingen oder Scheitern auf sich – denn nur dann können sie sich fragen:

„Was ist die positive Absicht hinter dem Verhalten?“
Und dann reagieren Sie auf die Absicht, nicht aufs Verhalten.

„Was ist los“
Fassen Sie zusammen, sichern Sie das Verständnis, überprüfen Sie, ob Sie wirklich den selben Informationsstand haben

„Was ist zu tun“
Verhandeln, hat mal wer gesagt, ist die Kunst des Möglichen.

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