Mit schwierigen Personen umgehen

LeserIn, Sie können gern „Personen“ durch „Schüler:innen“ oder „Kolleg:innen“ ersetzen, es wird Ihnen aber genau nichts nützen, denn es geht um SIE.

Gut, Leute, da müss ma jetzt durch, oder?

„Das einzige Ziel von Kommunikation ist die erwünschte Reaktion des Gegenübers“

Dieser einfache, und doch so schwierige Satz steht am Anfang – und er bedarf der Erklärung.

Kommunikation ist eben mehr als Informationsweitergabe, mehr als Klarstellen des eigenen Standpunktes, mehr als „miteinander reden“.

Was wollen Sie von ihrem Gesprächspartner? Von Ihren Schüler:innen?

Er oder sie soll nach dem Gespräch wohl etwas tun, sich irgendwie verhalten – denn: anders sein wird er oder sie wohl nicht.

Sie haben Kinder oder Hund und Katze? Da wissen Sie genau, dass sie die Art ihrer Kommunikation solange ändern müssen, bis sie eine erwünschte Reaktion erhalten! Denn sie tun es täglich. Sie kommen nicht auf die Idee, zu ihrem zweijährigen Kind zu sagen: „Bitte zieh dir Schuhe an, Schatzi, draußen ist Winter, du wirst dich verkühlen“ und wiederholen denselben Satz endlos – die gewünschte Reaktion wird nicht eintreten. Auch zu ihrem Hund sagen sie nicht „Komm nicht ins Haus, du hast dreckige Pfoten, das Frauli will nicht schon wieder aufwischen“ und erwarten, dass der Hund versteht!

Sie passen sich automatisch den Stimmungen an, sie passen sich automatisch dem Niveau des Gegenübers  an, und, das wichtigste: Sie wissen, dass ihr Gegenüber nicht Gedankenlesen kann und verlangen es daher auch nicht.

Tun sie dies auch in ihrem Arbeitsalltag?

Ein Seminarteilnehmer sagte letzte Woche: „Aha, sobald also bei Kommunikation mehr als einer dabei  ist, wird’s kompliziert“.

Wie recht er hat, weiß jede von ihnen, die schon einmal schwierige Gespräche mit schwierigen Personen geführt hat.

Jetzt ist das Wort gefallen: schwierige Person. Und sie alle haben eine sehr genaue Vorstellung, was eine schwierige Person ist, oder?

Ich wette, sie kennen sie, die schwierige Person!

Denn wer sein Gegenüber nicht kennt, kämpft gegen einen unbekannten Feind. Und wer sich selbst nicht kennt, kämpft gegen zwei unbekannte Feinde.

Und wer ist wohl schwerer zu besiegen?

Lassen sie uns einen Ausflug in den Kopf ihres schlimmsten unbekannten Feindes machen: In Ihren…

Wir alle nehmen nur einen Teil der uns umgebenden Wirklichkeit wahr – wir wählen aus, was wir sehen, hören und fühlen – da hinten verzieht jemand den Mundwinkel und schüttelt den Kopf!

Wir generalisieren Informationen, wir schließen vom Unbekannten auf das Bekannte: „das ist so wie…“ – das kenn ich! Das hat mein Chef immer gemacht, wenn ich einen Blödsinn geredet habe!

Wir haben Überzeugungen und Annahmen über das Leben, die Menschen, die Welt.

Wir interpretieren, wir deuten. – Die glaubt mir nicht, wahrscheinlich weil ich eine Frau bin!

Diese Deutung löst ein Gefühl aus – jetzt bin ich aber wütend!

Wir reagieren – ja sagen sie, was glauben sie eigentlich, wen sie hier vor sich haben? Sie schwierige Person sie!

Und lassen sie uns einen Ausflug machen in den Kopf ihres Gegenübers:

Eine andere Wahrnehmung

Andere Überzeugungen und Annahmen

Andere Deutungen

Andere Gefühle

Andere Reaktionen

Eine „schwierige Person“, zweifellos!

Ich lade sie ein, eine kleine Probe zum Thema Wahrnehmung, Gedankenlesen und Interpretation zu machen:

Suchen sie sich drei Mitspieler:innen, danke.

Schreiben sie auf ihren Notizblock das Wort „kollegiale Zusammenarbeit““

Schreiben sie zehn Worte auf, die ihnen zu „kollegiale Zusammenarbeit“ einfallen.

Vergleichen sie mit ihren Mitspieler:innen, wie viele Übereinstimmungen sie haben. Das Wort muss genau so lauten und jede_r von ihnen muss es so haben.

Für jede Übereinstimmung gibt es einen Punkt.

Wie viele Punkte hat jede Gruppe?

Wenn das jetzt so unterschiedlich ist – was bedeutet es eigentlich, wenn jemand zu ihnen sagt: „Ich möchte, dass wir hier kollegial zusammenarbeiten“???

Warum aber SIE (ja, genau SIE!!!) und die anderen da draußen so schwierig sind, lesen Sie im nächsten Artikel…

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