Gibt es etwas Schöneres, als gegen Ende seiner Berufstätigkeit ein Herzensprojekt zu bekommen?
(Ich bin die Projektleiterin, wobei mir „facilitator“ wesentlich besser gefällt)
Es gibt was Schöneres – ihr seid dabei und könnt die begleitende Evaluierung, die Planung, die Ideen etc mitverfolgen. 😉 Ich kopiere euch mal 1: 1 die Infos, die das Lehrer:innenteam auch hat.
meine Grundidee: Eine komplett flache Struktur, keine Hierarchien, absolute Transparenz. 360 Grad Feedback, begleitende Evaluierung.
Das ist die Ausgangslage:
An der HLW19 werden im nächsten Schuljahr jeweils 20 SuS beschult, die über die Jugendcoachings eingeladen werden.
Es handelt sich um diverse Jugendliche, die
- über einen positiven oder negativen Abschluss der 8. Schulstufe /9. Schulstufe verfügen und
- keinen SPF (Sonderpädagogischen Befarf) haben, aber sonstige Vermittlungshindernisse
Die Schüler:innen werden uns über die Jugendcoaches und durch persönliche Anmeldung vermittelt.
Wir machen für die Aufnahme einen Info-Vormittag, Aufnahmegespräche etc (dazu gibt es ein eigenes Dokument)
Ziel ist es, den Jugendlichen einen Zugang zur Fachschule (3jährige, schließt mit 2 Lehrberufen ab) bzw zum Jahrgang (5jährige, mit Matura + Lehrberufe + Unternehmerprüfung) zu ermöglichen bzw. ihnen ein positives Abschlusszeugnis und damit einen besseren Start für eine Lehrstellensuche zu ermöglichen.
Ich habe Regeln im Projekt aufgestellt
Wir – untereinander
Walk as you talk
Wir tun, was wir sagen und wir sagen, was wir tun.
Aufgabenorientierung
Wir verpflichten uns zur Erreichung von gemeinsamen Zielen. Dies hat Vorrang vor persönlichen Befindlichkeiten
Feedback
Wir überprüfen unsere Ergebnisse – sonst werden wir von den Ergebnissen überprüft…
Wir legen Wert auf kollegiale Intervision,
Wir verpflichten uns zu Supervision.
Kommunikation
Die Projektkommunikation ist hierarchiefrei, transparent und aktuell. Alle Beteiligten haben Zugang zu allen Dokumenten.
Wir – in der Klasse
Leitprinzip Schüler:innenorientierung
….oder wer spielt die Hauptrolle in dem Stück?
- Im schüler:innenorientierten Unterricht ist der/die Schüler:in Subjekt des Lernprozesses.
Es geschieht nichts mit ihr/ihm, sondern unter seiner/ihrer Beteiligung bei Planung und Durchführung.
- Schüler:innenorientierung ist Prozessorientierung. Die selbsttätige Auseinandersetzung mit Themen und Problemen steht im Vordergrund, nicht die Aneignung eines vorweg definierten Wissens.
- Schüler:innenorientierter Unterricht klammert die Beziehungsebene nicht aus. Gefühle und Erwartungen der Schüler:innen haben ihren Platz.
- Der schüler:innenorientierte Unterricht ist gekennzeichnet von symmetrischer Kommunikation und von Kooperation. Partnerschaftliche Beziehungen haben Bedeutung.
- Echte Erfahrungen der Schüler:innen bilden die Grundlage des Lernens.
- Selbsttätigkeit ist oberstes Prinzip.
- Ein zentraler Begriff ist „Lernhilfe“.
Die Lehrperson berät und unterstützt, sie vermittelt Erfolgserlebnisse in der Auseinandersetzung mit den Themen.
- Schüler:innenorientierung heißt differenzieren und individualisieren. Lernen ist Sache jedes/r einzelnen Schüler:in.
(Seel/Roth)
Wie ist der Verlauf?
Schülerinnen und Schüler = SuS, die von den Jugendcoaches oder durch Lehrer:innenmeldung etc angemeldet werden, durchlaufen einen Infotag mit einem Aufnahmeprozedere (dazu gibt es einen Ablaufplan im Steuerteam).
Bei Aufnahme durchlaufen sie später Einstufungstests, um ein tatsächliches Bild der Grundkenntnisse in D, E und M zu erhalten.
SuS erhalten ihre Einstufung „Entwicklungsplan“ (den wir erst erfinden müssen) und verpflichten sich schriftlich zur Mitwirkung bei der Erreichung der Lernziele.
Dieser Entwicklungsplan spiegelt sich in den vermittelten Lehrinhalten wider.
SuS werden ein Jahr lang intensiv beschult, vom Jugendcoaching unterstützt, und wir führen nach dem ersten Semester ein Feedbackgespräch über die bereits erreichten Ziele/ nicht erreichten Ziele.
Eine abschließende Beratung durch die Jugendcoaches /die/den Sozialarbeiter:in und das Abschlusszeugnis sowie ein Austrittsgespräch markieren das Ende des Orientierungsjahres.
Eine Entscheidung für/gegen
a) den Besuch der Fachschule (ev. des Jahrgangs),
b) einen Übertritt in eine überbetriebliche Lehre
c) eine Lehrstellensuche
d) eine Zuweisung zu einem SÖB (Sozialökonomischer Betrieb, 2. Arbeitsmarkt), zum AMS, in eine andere Einrichtung?
fällt zeitnah nach dem Abschlussgespräch.
Die Rollen im Projekt sind grenzgenial besetzt:
Projektleitung (also ich) – Erfahrung aus der Unternehmensberatung und von Xerox in Projektleitung, Projektcontrolling etc
Klassenvorstand: hat Soziale Arbeit studiert, Erfahrung mit allen möglichen Randgruppen und ist Lektor
Der Teamlehrer: hat klinische soziale Arbeit studiert, ist Sonderpädagoge noch dazu
Die Teamlehrerin: (ich) Sonderpädagogin, Expertin für die Zielgruppe
Der Musikprofessor: ist zusätzlich Outdoorpädagoge und Sozialpädagoge
Die unterrichtenden Kolleg:innen: Ich hab – logo – die besten erwischt, die modernsten und reflektiertesten 😉
Didaktik und Methodik
Da wir davon ausgehen, dass die uns zugewiesenen SuS keine nennenswert positiven Erfahrungen an den Vorschulen gemacht haben, ist ein „Mehr vom Selben“ nicht angezeigt. Schulängste, mangelnder Selbstwert, nicht förderliche Vermeidungs- und Copingstrategien dürften eine Lust am Lernen und ein Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit wohl übersteigen. Prekäre Verhältnisse sind ebenfalls zu vermuten, was die Frage der Ressourcenbeschaffung aufwirft.
Zu den Lehr- und Lernmethoden gibt es eine Vielzahl an Best Practices, ebenso haben wir am Standort einige reformpädagogisch ausgebildete Kolleg:innen.
Zum Punkt Didaktik und Methodik gibt es hier bald Unterlagen, einen Workshop und ein eigenes Team.