…dass ich Dir gern auf deinen Kommentar zum Artikel über das Testen in der Schule antworten möchte. Warum ich den Kommentar nicht freigeschaltet habe, sondern hier nur als Bild reingebe, ist leicht erklärt: Niemand will Dich „vorführen“, trotzdem ist eine Antwort wichtig, weil sie vielleicht doch einigen Menschen nützt:
- Nie auf das Verhalten reagieren, sondern auf die positive Absicht dahinter (dazu gibts hier später mal mehr, jetzt nur so viel: Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht, nur ist die halt oft 4 Jahre alt geblieben…)
Karen (Name geändert natürlich) hat also – Angst. Sie fühlt sich überfordert von den einander widersprechenden Informationen, von den zahlreichen Desinformationen und von der für alle mittlerweile schwer erträglichen Situation. Das steht ihr zu, damit hat sie auch recht, das muss man würdigen.
Karen, ich verstehe, dass du Angst hast und in Sorge bist.
2. Leider hat Karen aber sehr fragwürdige Informationen gesammelt – diese einzeln zu verifizieren oder zu falsifizieren würde bei der tatsächlichen Karen nichts helfen, ihre Angst hindert sie daran, „vernünftig“ zu denken, vermutlich vertraut sie auch den „offiziellen“ Nachrichtenkanälen nicht mehr. Aber seht selbst:
Karen schreibt: „….mir reißt auch der Geduldsfaden wenn ich immer wieder die Belehrungen lese, dass alle die eine andere Meinung habe gleich Verschwörungstheoretiker sind.“
Karen, das hat niemand gesagt. Es gibt natürlich Meinungsfreiheit, aber keine Faktenfreiheit. Das muss man klar unterscheiden. Ein Beispiel: Ich bin 1,69 groß, hellhäutig und habe graues Haar. Das ist nachprüfbar. Jetzt kann ein*e Wissenschaftler*in natürlich kommen und sagen: Halt, ich hab nachgemessen, sie sind nur mehr 1,67, hier bitte, sehen sie selbst – im Alter ist das auch ganz normal. So etwas nennt man dann FAKTEN. Wenn ich jetzt hergeh und sag „Meiner Meinung nach bin ich aber immer noch 1,69!“ dann mag das zwar meine Meinung sein, faktisch ist es aber falsch. (Boah, bin ich froh, dass mir zuerst die Größe eingfallen ist und nicht das Gewicht! 😉 )
Das mit den Verschwörungstheoretiker*innen ist eine eigene, sehr komplexe Sache. Dazu gibts eine Menge guter Literatur. Sehr einfach und eingängig wird es hier erklärt.
Karen schreibt weiter:
1. Gibt es niemanden sonst der 2x in der Woche getestet werden soll – vollkommen übertrieben
Doch, Karen. Gibt es. Aber abgesehen davon – da die Kinder ohnehin nur an zwei Schultagen kommen (Mo/Die oder MI/Do), wird das Kind genau 1 x getestet. Am Montag. Oder, aber das ist dann ein anderes Kind, am Mittwoch. Ich werde 2x getestet, weil ich ja beide Gruppen unterrichten werde.
2. Auch nur bei 1x Testung pro Woche wird die Nasenwand bei Kinder immer empfindlicher und angenehm ist der Nasenbohrtest sicher nicht
Ach Karen, das ist wie wenn du sagst: Wenn man sich jeden Tag schminkt und die Wimpern tuscht und sich abends abschminkt, werden die immer empfindlicher…..oder wenn man sich mit den Wattestäbchen mehr al 10x die Ohren putzt im Monat…..Zum Glück ist unser Körper für eine dauernde Benutzung geschaffen (nicht für die Ewigkeit, aber so für 80 Jahre)
3. Sind Kinder NICHT die Übertrager Nr. 1 und kommen eh kaum noch wohin
Karen, auch wenn sie nicht die Überträger Nr. 1 sind, ist das kein Grund, ein Risiko einzugehen, denn sie verteilen das Virus besonders gut : Sie fahren aus ganz Wien (und teilweise auch aus NÖ) öffentlich zu uns in die Schule, lachen und kuscheln im Bus, treffen im Schulhaus die andern 500 (das ist schon die Halbgruppe, sonst sind wir über 1000) und danach fahren sie wieder heim – öffentlich. Dort treffen sie ihre Familie. Das ist wie eine Billardkugel, die am Anfang die anderen Billardkugeln trifft…..
4. Ist die Frage ab welchem Alter ist ein ständiges Testen sinnvoll und zumutbar
Karen, das ist leicht zu beantworten: Jedes Kind, das sich alleine die Zähne putzen, sich duschen und kämmen kann, schafft es, sich selbst zu testen. Das selbst zu tun, finde ich sowieso die beste Methode – unangenehm ist sowas ja meist, wenn medizinisches Personal das macht.
5. Ist ein Testen von symptomlosen Personen wirklich sinnvoll und zielführend?
Danke, dass du fragst, Karen.
JA.
Schau, das Gemeine an diesem Virus ist, dass man symptomlos sein kann – aber sehr ansteckend. Sonst hätten wir die Scheiße nämlich nicht. Das alte Covid Virus (das tief in der Lunge saß) konnte in seiner Verbreitung gut gehindert werden, weil Überträger eben sehr schnell Symptome zeigten – die kamen dann in Quarantäne und in Behandlung und der Billardkugel-Effekt blieb aus.
Falls du Kinder haben solltest, denk an: Läuse. Kennen wir alle. Jedes Jahr dasselbe Spiel. Irgendwer hat sie, ders noch nicht weiß – und steckt fix die gesamte Klasse an.
Dann waschen sich alle den Kopf mit dem Lausshampoo, kämmen sich die Nissen aus, wechseln die Bettwäsche etc. und die Sache ist erledigt. Undenkbar, dass irgendeine Mutter daherkommt und sagt: „Ich mach das nicht! Das ist meine Entscheidung! Mein Kind darf die Läuse verteilen, wo immer es will!“
6. Es gibt bei den Zahlen schon längst keinen Grund mehr für die ganzen Maßnahmen
Wow. Du musst andere Zahlen haben als die WHO, das Bundesministerium, als alle Wissenschaftler*innen. (Nein, hast du nicht. Du hast nur Angst. Und du tust das, was kleine Kinder machen, wenn sie Angst haben: Du machst die Augen fest zu und sagst dir: dasistnichtda dasistnichtda dasistnichtda)
7. Wenn ein Kind im der Klasse positiv ist – schafft das Angst, beim Kind selbst, beim Sitznachbarn, bei der Klasse.
Ach Karen, wir hatten schon mehrere Fälle in den Klassen. Ich sag dir, wozu das führt: Dass dieses Kind in Quarantäne kommt, damit es nicht die anderen ansteckt. Es ist einfach ein Signal, dass man etwas unternehmen muss. Denk wieder an die Läuse.
8. Ist es ein Recht der Eltern zu entscheiden was sie Kinder in Kauf nehmen müssen. Davon sind wir leider schon weit entfernt
Karen, du sprichst von dir. DU musst etwas in Kauf nehmen, das ist DIR unangenehm. Und nein, nicht immer entscheiden die Eltern, was die Kinder „in Kauf nehmen müssen“. Stichwort: Läuse. Ansteckende Krankheiten, Gesetze…..
9. Finde ich ein Schützen der vulnerablen Zielgruppe sinnvoller usw. Es gibt Gründe, die sprechen dafür und andere, die sprechen dagegen. Aber sollte das nicht jeder für sich entscheiden?
Okay. Das ist der Kernpunkt. Karen, wir sind eine Solidargemeinschaft. Das heißt, wir kümmern uns umeinander, wir sorgen füreinander, wir tragen Geld, Sachleistungen, persönlichen Einsatz bei, damit es uns allen gut geht. Egal, ob wir jetzt von Straßen, Krankenhäusern, Schulen, Querfinanzierungen etc reden. Du hast das Recht, dich auf uns alle zu verlassen. Wir lassen dich nicht krepieren, nur weil du das Spital nicht zahlen kannst. Wir beschulen dein Kind, egal, ob du dir die Lehrperson leisten kannst oder nicht.
Aber: Du hast auch die Pflicht, uns nicht zu schaden.
Derzeit haben wir eine Pandemie. Das ist ein Faktum und keine Meinung.
Wir kommen da aber wieder raus.
Bewundernswert, Ihre gute Kommunikation! Es freut mich diesen Beitrag zu lesen. Viel Kraft und Glück!!
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Dem Kompliment kann ich mich nur anschließen. Du hast es so perfekt auf den Punkt gebracht, Susanne, und überzeugend argumentiert. Auch wenn ich erst jetzt, Monate später auf deinen Artikel gestoßen bin, stehen wir ja leider (und zum erheblichen Teil „dank“ der sogenannten Glaubensfreiheit anstelle von Faktenakzeptanz) in einigen Ländern immer noch nicht viel besser da. Ich fahre jetzt am Wochenende mit ungutem Gefühl nach Sachsen, um meine Mutter im Heim zum Geburtstag zu gratulieren. Liebe Grüße aus der Lombardei! Anke
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