Leute, ich bin sehr mies gelaunt heut. Die Frühwarnungen sind eingetragen (eh schon länger) und die Ergebnisse der Schularbeiten sind da.
Fazit: So eine grottenschlechte erste Klasse hatte ich noch nie.
Oh, wait…….
Eine der ersten Taten, die du als halbwegs reflektierte Lehrperson setzen solltest ist:
- Ein Schritt zurück!
Warum? Damit du die Sache von oben, oder von weiter weg, oder von außen (ganz, wie du magst) betrachten kannst. Sonst siehst du deinen Anteil daran nicht, oder den der KollegInnen – du siehst nur den Wahnsinn der 9 Fetzen, oder der 11. Und das „Rote Meer der Korrekturen“
Und danach fragst du:
2. Was ist los?
Die einfache Antwort darauf ist, wir wissen es: „Na sie tun halt nix!“ (Sie üben zu wenig, sie lernen nicht(s), sie merken sich nix, sie wollen ja nicht, sie gehören nicht in diese Schulart…take your pick)
Weil wir ja mehr als 20 Jahre auf der Welt sind, wissen wir, dass die „einfache Antwort“ sehr selten bis nie stimmt ( Spoiler für alle 20jährigen: Das gilt blöderweise für so ziemlich alle Dinge im Leben)
Okay, also geh wirs mit der komplizierteren, nein, der komplexeren Antwort an:
Wie statistisch wahrscheinlich ( oder auch lebensnah wahrscheinlich) ist das Ergebnis? Entspricht es der „Normalverteilung“?
Damit ihr euch das besser vorstellen könnt, ein paar Beispiele (aus unterschiedlichen Klassen in unterschiedlichen Jahren):
Deutsch- Schularbeit in einer 1. Fachschul-Klasse:
8 Muttersprachler_innen (von 24), he, das sind mehr als in den Jahren davor. (Normalerweise sinds nur 2-3, und von denen ist dann eins ein Integrationskind, also mit SPF. )
Dass die Kids in der KMS/NMS nicht einmal den minimalen Bildungsstandard erreichen, ist ebenfalls Erfahrungssache. In keiner öffentlichen zumindest. (Meine Erfahrung ist auf Wien und das Wiener Umland reduziert)
Die Noten, die sie gebraucht haben, um bei uns aufgenommen zu werden, hatten sie alle. Die hätte man aber auch würfeln können, denn es sind schon wieder Kids mit einem „Befriedigend“ und „vertiefter Allgemeinbildung“ (das soll ja laut Bildungsministerium der AHS entsprechen) dabei , die keinen einzigen fehlerfreien Satz schreiben oder sprechen können.
Trotzdem ist diese Klasse schwächer. Es war ihnen kaum möglich, einen leichten Artikel zusammenzufassen, weil sie (laut schriftlicher SA Reflexion) „die Wörter nicht verstanden“ und „nicht verstanden, worum es ging“. (Dabei hatten sie das Thema „Korallenriff“ in unterschiedlichen Formaten dargeboten bekommen vorher: In unterschiedlichen Artikeln, im Gespräch, als Doku auf youtube zum selbst Schauen, in Hausübungen, als Schulübung…)
Die statistische Abweichung erklärt sich zweifellos aus
a) der besonderen Situation des Home-schoolings/Distance Learnings etc
und
b) liegt ein Teil der Schuld an uns Lehrkräften. Also auch an mir in dem Fall. Ist so. Wir sind die Profis, das ist unser Job.
Rechnungswesen
Das ist immer superhart – es scheint keine Didaktik für Rechnungswesen zu geben, zumindest keine gscheite (und ja, ich habs jahrelang als Co unterrichtet, bevor jemand fragt) – der Abstraktionsgrad ist zu hoch, das funktioniert daher kaum. (Im Gegensatz zum wirklichen Leben müssen die SuS zuerst die Angabe lesen könne und aus dieser schließen, was sie tun sollen. In einem Büro bekommens eine Rechnung in einem Kuvert und dann wissens hoffentlich, wer sie sind, was sie eingekauft haben, dass sie einen Wareneinsatz vor sich haben und die USt steht auch schon da. Oder sie haben natürlich ein Anlageverzeichnis und müssen nicht aus einem Fließtext mit Fallen erschließen, welche 3-4 Rechen-Schritte sie jetzt machen müssen.)
Jedenfalls: 11 von 20 sind negativ, auch bei der Nachschularbeit. Das lässt sich nur zum Teil aus dem mangelnden Sprachverständnis erklären.
Das ist aus Erfahrung jedes Jahr so, aber das macht es nicht besser, oder? Die Frage, warum in Rechnungswesen (wie auch in Mathe) regelmäßig (persönliche Erfahrung: seit 11 Jahren, vorher war ich woanders) die Hälfte der SuS scheitert, und zwar wurscht, welche Lehrkraft unterrichtet – lässt nur einen Schluss zu: Die Art der Unterweisung, der didaktische und methodische Unterbau – ist einfach scheiße. (Denn dass immer etwa die Hälfte der SuS für RWWR zu blöd ist, aber für alle anderen Gegenstände gscheit genug, glaubt ja nicht einmal der ärgste Verschwörungstheoretiker. )
Haben wir bei gleichem Lehrplan und gleichen Bedingungen auffällig unterschiedliche Ergebnisse?
Das ist ein besonders deutlicher Fall, warum man einen Schritt zurück treten muss:
Die Klassen werden in einzelnen Gegenständen ja geteilt, also 2 Lehrpersonen und je 12 SuS.
Ergebnis vor dem ersten Zeugnis:
Gruppe A der Klasse X ist komplett positiv beurteilt
Gruppe B der Klasse X ist komplett negativ beurteilt.
Nur in diesem Gegenstand. Da muss man nicht einmal einem Volksschulkind erklären, dass das nichts mit den SchülerInnen zu tun hat.
Haben wir bei bestimmten Personen immer das gleiche Ergebnis?
Ja, was soll ich sagen….es gibt KollegInnen, die prinzipiell, jedes Semester, alle außer die „Einser“ und „Zweier“ SchülerInnen frühwarnen (kein Scherz). In einem Lerngegenstand. Das würde ja heißen, dass jedes Jahr ein Gutteil der SchülerInnen in diesem Gegenstand, immer bei dieser Lehrkraft, gefährdet ist, mit einem „Nicht genügend“ abzuschließen.
Und dann erst kommt man zum dritten Schritt:
3. Was ist zu tun?
Ja, zweifellos war die einfache Antwort angenehmer, oder?
Weil jetzt musst du als Lehrkraft deinen Arsch heben und etwas ändern.
Aus Lebenserfahrung schlage ich vor: Deinen Unterricht.