Leute, ich merke, ihr regt euch auf, weil das Gesundheitsministerium es nicht schafft, die Impfdosen für die Corona-Schutzimpfung zeitgerecht zu verteilen bzw. gibts vielleicht nicht genügend Personal, außerdem war Weihnachten. Oder so.
Ich weiß, das tröstet euch jetzt nicht, aber es ist eine gute Gelegenheit, euch den wesentlichen Grundsatz der österreichischen Beamt_innenschaft näher zu bringen:
Eine österreichische Amtsperson hat keine Eigenbewegung. Das muss etwas Physikalisches sein, aber da kenn ich mich nicht aus, irgendwas ist an so einem „Beamtenkörper“ wohl anders. Ein Beamtenkörper muss von außen angestoßen werden, mittels „Erlass“, dann bewegt er sich (minimal), dann kommt er wieder in Ruhe. Ach ja, es ist völlig egal, ob dieser Anstoß von außen sinnvoll, sinnbefreit, völlig unsinnig, gefährdend oder sonst was ist.
Es wird erlassen, der Beamtenkörper setzt sich in Bewegung. (Wenn der Erlass völliger Blödsinn ist, bewegt sich der Mund des Beamtenkörpers, er „schimpft“ und beschließt dieses „Schimpfen“ mit dem rituell vorgeschriebenen Abschluss „Da kann ma halt nix machen“. Das scheint das Äquivalent einer Entlüftung zu sein, sonst würde er wohl immer vollgepumpter mit warmer Luft und zerplatzte)
Ein Beispiel:
Ich meldete mich im Frühsommer für die „Sommerschule“ – als Freiwillige, nach einem Aufruf per Mail. Sofort bekam ich ein Mail zurück, in dem sich ein Regierungsrat xy bedankte, dass ich mich zur Verfügung stellen würde.
Dann – herrschte Stille. Es herrschte so lange Stille, dass ich befürchtete, ich hätte ein Mail nicht erhalten – daher schrieb ich den Herrn Regierungsrat wieder an. Das war am 17. August – immerhin begann die Sommerschule ja erst am 24.
Aber dann gings zack! zack! (oder so) Eine sehr liebe Direktorin schrieb mir ein Mail – sie habe soeben erst erfahren, dass ich auch etc etc etc……
Als „gelernte“ Staatsbedienstete (nicht beamtet) hatte ich in der Zwischenzeit gegoogelt, ob es nicht offizielle Papiere gab für diese Aktion. Gab es natürlich. Eine Expert_innenrunde hatte schon vor Monaten ein (tatsächlich) gutes Arbeitspapier vorgelegt. Das Ministerium hatte dies im Internet auch veröffentlicht . Ich las das Papier mit Freude – Student_innen sollten mit uns unterrichten, die würden ECTS dafür bekommen, ihre Rolle (und unsere) war klar herausgearbeitet. Wow. Ich bereitete mich am Wochenende vor – schließlich sollten ja auch die Studis etwas mitnehmen aus dieser Erfahrung.
Ja, was soll ich euch sagen (ihr habt es geahnt, oder?) – alles war anders.
Das Ministerium hatte dieser Schule zwei Studis zugeteilt, sonst waren wir lauter alte Kühe. Dafür hatte die Schule im Nachbarbezirk ausschließlich Studis zugeteilt bekommen.
Mir hatte man die Erstklässler zugeteilt – weil man „nicht wusste, was die Abkürzung HLW bedeutet“. (Falls ihr es auch nicht wisst: Dort sind die ganz Großen. 15 – 18 und älter)
Viele Studis hatten abgesagt, nachdem man ihnen in einem Seminar vorher eröffnet hatte, dass es, ähem…räusper räusper…doch keine Ressourcen geben werde in Form von Arbeitsmitteln, Plänen, Hilfen….
Aber wir bekamen tatsächlich pro Klasse 30 Euro! Juhuuuuuuu! Ich wusste kaum, wie ich das ausgeben sollte für die Hasen! Bleistifte? Bunte Radierer? Arbeitsblätter? Ich konnte mich kaum entscheiden! Schließlich gab ich gut einen Hunderter eigenes Geld aus, damit wir nicht immer nur mit kopierten Arbeitsblättern und Bleistift arbeiten mussten.
Es war aber eine wirklich schöne Erfahrung für mich – das letzte Mal mit solchen Kleinchen hatte ich 1987 gearbeitet. (Die von mir wirklich geschätzte Direktorin erwähnte das dann auch bei der Konferenz – sie sei immer an der Klasse vorbeigegangen und hätte uns zugehört – „und die Susanne die spricht so ganz anders, aber die Kinder haben es offenbar verstanden“)
Jetzt ist Jänner 2021 – die 14 Tage wurden mir noch immer nicht bezahlt. (10 MDL, falls es jemanden interessiert, das sind so rund 500 Euro)
Im November fragte ich das erste Mal nach beim Herrn RGR – der antwortete, er habe es weitergeleitet.
Im Dezember fragte ich nochmals – okay, ein wenig unhöflicher. Ich schrieb, dass sogar der Staat es schaffen sollte, seinen Verpflichtungen innerhalb von 4 Monaten nachzukommen, ich käme den meinen ja auch nach.
Der Herr RGR antwortete fast sofort und recht ausführlich.
Erfahrene Beamtenrösser halten jetzt kurz inne und denken nach: WAS hat er wohl geschrieben?
Genau.
Er schrieb, dass er nicht schuld sei, nichts dafür könne und das auch nur weiterleiten könne.
Seht ihr, und genau so wird das gewesen sein bei der Logistik für die Schutzimpfung.
Ach ja, ich hab das Geld noch immer nicht.